Das Dach besteht aus acht Schichten, nach aussen ist die Kuppel mit Edelstahl verkleidet, nach innen mit Aluminium. Fotos: Anja Thierfelder
In Zusammenarbeit mit Licht 18 Davos

Kunststadt im Lichtregen

Wie Regen fällt das Tageslicht durch die Kuppel auf die innere Welt des Louvre in Abu Dhabi. Möglich macht dies eine Technik, die das Atelier Jean Nouvel und die Lichtplanern von Transsolar entwickelt haben.

Auf der Insel Saadiyat, einen halben Kilometer östlich des Hafens von Abu Dhabi, baut sich das Emirat einen neuen Kulturdistrikt – hier planen die namhaftesten Architekten unserer Zeit. In Jean Nouvels Louvre-Ableger wird die Mehrheit der 55 Gebäude unter einer imposanten Stahlprofil-Kuppel miteinander verbunden. Diese schafft zusammen mit dem das Museum umgebenden künstlichen See ein eigenes Mikroklima und spendet allem voran Schatten. Durch das komplexe Muster der achtschichtigen, im Durchmesser 180 Meter messenden Kuppel, gelangt nur noch ein geringer Anteil des Tageslichts bis hinab zu den einzelnen Museumsgebäuden und dem zentralen offenen Platz. «Insbesondere auf Saadiyat Island hinterlässt das natürliche Tageslicht einen starken, einmaligen Eindruck», erläutert Architekt Stephan Zopp von den Ateliers Jean Nouvel. «Das ist nur an diesem Ort in dieser Qualität und Intensität erlebbar – dieses Lichtspiel auch im Gebäude sichtbar zu machen, war unser Ziel.» Es war eine Herausforderung, die Dichte der sich überlagernden Schichten so zu planen, dass der Museumsplatz gut verschattet und das Tageslicht dabei den Bedürfnissen von Beleuchtung und Ausstellung gerecht wurde. Licht und Staubpartikel erzeugen unter der Kuppel einen Lichtregen, der sich abhängig von Feuchtigkeit, Staubanteil und Sonnenstand verändert.

Modelle in verschieden Massstäben und unter vielfältigen Bedingungen wurden in Stuttgart im Freien und im Labor sowie vor Ort in Abu Dhabi getestet. «Mit den Modellen haben wir auch die notwendigen technischen und konstruktiven Erkenntnisse gewinnen können», erläutert Zopp. Und Matthias Schuler, Gründer und Projektpartner bei Transsolar, ergänzt: «Einige Aspekte dieses Lichteffekts, wie Geometrie und Materialreflexion, konnten mit dem skalierten Modell überprüft werden – Jean Nouvel und sein Team kamen dazu nach Stuttgart in das Lichtlabor Artificial SkyLab der Hochschule für Technik.» Die Untersuchungen hätten Ingenieure und Architekten gleichermassen fasziniert, so Schuler. Aus all diesen Studien erstellte Transsolar Empfehlungen zu Lage, Grösse und Verhältnis der Perforationen in der Kuppel und zum Reflexionsverhalten der Flächen unter der Kuppel, was dann in Abu Dhabi in Originalgrösse getestet wurde. Basierend auf dem partiellen 1:1-Modell musste auch der Nebel kalibriert werden, der im skalierten 1:33-Modell Staub und Feuchtigkeit darstellte. «Dieser Prozess zur Sicherstellung der Sichtbarkeit des ‚rain of light’ erforderte massive Zugeständnisse von Seiten der Architekten – beispielsweise liess sich der Wunsch Nouvels nach einer innen spiegelnd-reflektierenden Kuppel mit dem ‚rain of light’ nicht vereinbaren», erklärt Schuler.

Jedes Klima sei eine Ausnahme und verlange einen Eingriff, schrieb Jean Nouvel über das Projekt. Beim Bau des Louvre in Abu Dhabi ist das besonders deutlich geworden, die gewünschte Lichtstimmung und -wirkung konnte aber schlussendlich erreicht werden. Zur Eröffnung hat Transsolar Licht und Klima unter der Kuppel vermessen, die Ingenieure verfolgen das Projekt und finden Aufnahmen von begeisterten Besuchen in Pinterest und Instagram. Ob man den Lichtregen jedoch bei einem Besuch im Louvre sieht, hängt von zahlreichen Faktoren ab. «Wir würden sehr gern eine Wetterstation aufstellen, um die optimalen Bedingungen zur Sichtbarkeit vor Ort zu dokumentieren», so Matthias Schuler. «Dann könnten wir den Besucherinnen und Besuchern in etwa vorhersagen, ob und wann der Lichtregen sichtbar sein wird am Tag.»
 

Am 11. September stellt Matthias Schuler (Inszeniertes Licht) das Projekt am 23. Europäischen Lichtkongress in Davos vor. Hochparterre-Abonnenten profitieren von einem Rabatt von 20 Prozent auf die Eintrittspreise zum Kongress.


Die Rubrik Werkplatz ist eine Kooperation von Hochparterre mit ausgesuchten Firmen und Institutionen des Werkplatzes Schweiz.

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