Viel Wohnen auf wenig Platz: das Stealth Building in New York von Workac.
Im Auftrag von AXOR

Keine Frage der Quadratmeterzahl

Mit ‹Compact Luxury› sollen Architektinnen und Designer auf die kleiner werdenden Lebensräume in den Städten reagieren. Wie das geht, erklärt eine Studie des Forschungsinstituts ‹The Future Laboratory›.

Die Zukunft ist ungewiss, wohl darum wollen sie alle vorhersagen. Die Vereinigten Nationen rechneten vor zwei Jahren voraus, dass im Jahr 2050 68 Prozent der Weltbevölkerung in einer Stadt leben werden. In Zusammenarbeit mit Axor hat das Forschungsinstitut ‹The Future Laboratory› untersucht, wie sich das auf den Wohnraum und seine Gestaltung auswirkt.
 

Moodboard aus der Studie des Forschungsinstituts ‹The Future Laboratory›

Seine Erkenntnisse hat das Institut im Schlagwort ‹Compact Luxury› zusammengefasst: «Statt um offene und transparente Räume, die bisher Luxus definierten, wird es um Privatheit und Geschlossenheit gehen», schreiben die Zukunftsforscher. Als Antwort auf sinkende Quadratmeterzahlen in urbanen Räumen würden die Konsumentinnen und Konsumenten Flexibilität und Einfachheit bevorzugen. «Man wird standardisierte Baupläne sehen, deren Ausgestaltung an die spezifischen Bedürfnisse der Konsumenten anpassbar ist», erklärt Simon Saint vom australischen Architekturunternehmen Woods Bagot und einer der in der Studie zitierten Experten. «Wenn sie gerne kochen, werden sie etwas Raum für einen extra Herd bereitstellen, wenn ihnen Wellness wichtig ist, wird die Badausstattung smarte Technologie beinhalten, die dabei hilft, ihren Gesundheitszustand zu beobachten.»

Drehen, schieben, kleiner wohnen: Im ‹performativem Haus› untersucht ETH-Professorin Elli Mosayebi, wie mobile Bauteile Kleinhaushalte organisieren können.

Passenderweise hat auch Saints Unternehmen ein solches Konzept entwickelt: es soll den Menschen ermöglichen, ihre Wohnräume abhängig davon zu verändern, ob sie arbeiten, sich amüsieren, Sport treiben oder sich erholen wollen. Es verwendet bewegliche Abtrennungen, mit denen die Räume je nach Tageszeit in verschiedene Zonen umgestaltet werden können und so Arbeiten, Entspannung und Vergnügen im gleichen Bereich ermöglichen. Vergleichbare Konzepte gibt es auch in der Schweiz: in seinem Beitrag «Der bewegte Plan» beschäftigte sich Hochparterre-Redaktor Palle Petersen mit dem Konzept ‹Movement› der Totalunternehmung Halter und dem ‹performativem Haus›, mit dem ETH-Professorin und Architektin Elli Mosayebi forscht. «Die kleine Wohnung, die weniger Möbel bedarf, ist in der Architekturgeschichte keine Neuerfindung», schreibt Petersen. Aktuelle trieben steigende Mietzinsen die Nachfrage nach Kleinwohnungen an. «Kompakt leben und wenig besitzen ist für Investoren doppelt interessant: Kleinwohnungen versprechen höhere Erträge pro Quadratmeter, die Teilmöblierung nochmals fünfzehn Prozent mehr Rendite.»

‹The Future Laboratory› sieht die Entwicklung von «fundamentalen statt von ästhetischen Bedürfnissen» angetrieben: Die Klimakrise beginne, die Menschen auf einer psychologischen Ebene zu beeinflussen. Das Klimabewusstsein lasse sie weniger einkaufen, mit Fokus auf notwendige und langlebige Produkte. «Übermässig grosse Räume sind nicht mehr so gefragt wie bisher, während ein kompakter und minimalistischer Ansatz als neue Form von Luxus gesehen wird». Das führe zu Räumen und Produkten, die gut gestaltet und verfeinert sind, um Überfluss zu vermeiden. Gleichzeitig würden die Menschen ihre Privaträume zunehmend als «Zufluchtsort vor der Betriebsamkeit des urbanen Lebens» sehen. Ihnen seien Räume, die Ruhe, Gelassenheit und Wohnkomfort bieten, wichtiger als die reine Grösse. «Das bedeutet ebenfalls, dass Menschen auch auf engstem Raum versuchen, die verfügbaren Bereiche so einzurichten, dass sie ihren Bedürfnissen, Werten und Interessen gerecht werden.». Diese Konsumentinnen und Konsumenten bevorzugten «Einrichtungsgegenstände, die sowohl nachhaltig als auch gut gestaltet sind und suchen auch in urbanen Gebieten durchdachte und ausgefeilte Räume.

‹Compact Luxury | Exploring the future of urban living›

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