Raumhöhe für grosse Ideen und unkonventionelles Arbeiten: In der Küche schwingt schon mal der Chef den Kochlöffel. Am zentralen Tisch wird nicht nur gearbeitet, sondern mittags auch gegessen und zwischendurch Kaffee getrunken. Fotos: Gianni Baumann
Im Auftrag von Aroma

Im Zentrum der Tisch

Aroma hat für eine Kreativagentur ein karges Ladenlokal in Zürich in einen luftigen «Ideenladen» umgebaut. Im Zentrum steht ein grosser Tisch, denn die Koch- und Kaffeekultur gehört zur DNA des Auftraggebers.

Mitten im ersten Lockdown ist die Kreativagentur Metzger Rottmann Bürge MRB von Erlenbach am Zürichsee in den Zürcher Kreis 4 gezogen. Die neuen Räumlichkeiten für das rund 20-köpfige Team liegen in einem zum Wohn- und Gewerbehaus umgebauten Verwaltungsbau hinter der Langstrasse. Spuren der früheren Nutzung sind noch heute zu sehen, etwa die massiven Stützen im Abstand von 7.50 Meter, welche die Grundrisse prägen oder ein Niveausprung im Erdgeschoss, der von der Anlieferung für Lastwagen her ruht.

Alle festen Einbauten, wie etwa das Wasserspender-Ablage-und-Schreibnischenelement zwischen dem vorderen und hinteren Bereich sind aus Seekiefer-Sperrholz.

Ins Erdgeschoss fährt heute aber kein Lastwagen mehr rein, sondern es reihen sich neun Ladenlokale und zwei Ateliers entlang der beiden Strassenseiten auf. Eines davon haben sich MRB ausgesucht und mit einem hofseitigen Gewerbe- und einem Atelierraum in der Mitte verbunden. So entsteht ein z-förmiger Grundriss, der bis zu 35 Meter in die Tiefe reicht. Die grosse Herausforderung waren die beiden unterschiedlichen Bodenniveaus, denn der hofseitige Teil liegt 1.2 Meter höher als der strassenseitige.

Über der offenen Küche arbeiten die Partner der Agentur auf einer Art Kapitänsbrücke. Das Podium rechts verbindet elegant und funktional die Laden- mit der Büroebene.


Für den Ausbau der knapp 400 Quadratmeter hat MRB Aroma beauftragt. Das 1995 gegründete Unternehmen mit Sitz im Gewerbehaus Noerd ist Spezialistin für Markenerlebnisse und vereint Kreativagentur, Architektur und Produktion unter einem Dach. In den letzten Jahren ist Aroma Architecture kontiniuierlich gewachsen, heute beschäftigt sich ein ganzes Team mit Projekten aus den Bereichen Work Spaces, Retail, permanente Ausstellungen oder Gastronomie. Weil Aroma auch grafische Leistungen oder Montage anbietet und auf eigene Werkstätten und Werbetechnik zurückgreifen kann, hat der Kunde einen statt viele Ansprechpartner. So entstehen individuelle Innenausbauten, die auch Unternehmens- und Markenwerte transportieren.

In zwei der drei Schaufenster hat Aroma Sitznischen platziert: Sie dienen für interne Besprechung, den kurzen Schwatz oder auch Kundengespräche.


Daher war für MRB, der Kreativagentur vom Zürichsee, klar, dass Aroma den Auftrag für den Ausbau des Edelrohbaus erhalten sollte. Die Werber hatten neben dem Einbau von 28 Arbeitsplätzen wenig konkrete Anforderungen ans Architektenteam: Wichtig war ihnen ein fliessender, türloser Raum in dessen Mitte ein langer Tisch mit angegliederter Küche zu stehen kommen sollte. Denn die Koch- und Kaffeekultur gehört seit Beginn zur Unternehmens-DNA der Agentur. 

Im Zentrum ein langer Tisch (1) und die offene Küche (2). Ein Podium (3) verbindet Laden- und Büroebene. In der Mittelzone (5), wo es nur Oblichter hat, liegen zwei Sitzungszimmer (4). Der hintere Bereich (6) öffnet sich auf den Hof.


Entstanden ist eine offene, luftige und sorgfältig differenzierte Bürolandschaft, welche die einzelnen Arbeitsbereiche wie Besprechung, Präsentation oder eben Mittagspause wie selbstverständlich verteilt. Der Hauptraum liegt gegen die Strasse hin und ist ein 4.7 Meter hoher «Ideenladen». In zwei der drei Schaufenster hat Aroma Sitznischen platziert: Eine offene für den kleinen Schwatz oder die kurze interne Besprechung, die abgeschirmtere für intimere Treffen, etwa Kundengespräche. Im mittleren Schaufenster liegt der Eingang. Er führt direkt auf den zentralen Tisch zu, der schon in Erlenbach stand, wie übrigens die meisten Büromöbel auch. Er steht zwischen den beiden mächtigen Pfeilern, die diesen Hauptraum in drei lange Zonen teilen. Den Abschluss dieser hohen Halle bildet eine quer stehende Kücheninsel über der die Agenturpartner ihre Arbeitsplätze haben. Böden und Wände sind grau, sie sind nur imprägniert. An den Wänden sorgen sogenannte «Woopies», mit Schafwolle gefüllte Akustikpanele, dafür, dass der hohe Raum mit seinen rohen Materialien auch akustisch gut funktioniert. Die Leitungen an der Decke hat Aroma sichtbar gelassen, was den Industriecharme verstärkt. Von der Küche her zielen lange Lichtschienen sternförmig nach aussen und bringen Arbeitslicht dorthin, wo es dieses braucht. Ein «Kronleuchter» aus tropfenförmigen, dekorativen LED-Birnen verleiht dieser Arbeitshalle einen feierlichen Touch und betont die Mitte nochmals.

Wo der hintere und der vordere Arbeitsraum aufeinanderstossen, liegen die offenen Chefbüros sowie zwei Sitzungszimmer, Kopierapparat und Archiv. In diese Mittelzone lassen kreisförmige Oblichter genug Tageslicht fallen. Alle festen Einbauten, wie etwa das Wasserspender-Ablage-und-Schreibnischenelement zwischen dem vorderen und hinteren Bereich sind aus Seekiefer-Sperrholz. Geschickt haben die Architekten von Aroma mit einer 60 Zentimeter hohen Arbeitsplattform aus ebendiesem Material die beiden Niveaus verbunden: Sie erstreckt sich auf einem Drittel der Fläche über die ganze Länge des «Ideenladens», bietet acht Schreibtischen Raum und nimmt die gesamte Leitungsführung dafür auf. Seine Kanten sind als Sitzstufen ausgeformt und verbinden so die Arbeitsplätze auf dem Podest mit der Küchenebene. Am Ende der Plattform führen vier Treppenstufen in den hinteren Bereich und verbinden so vorne und hinten. Das Zwischengeschoss macht aus den verschachtelten Räumen eine offene Bürolandschaft auf drei Niveaus. Es teilt die Fläche sinn- und spannungsvoll unter- und ein.

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