25 Etagen: Der Giessenturm in Dübendorf. Fotos: Roland Hof
Im Auftrag von Jansen

Hoch hinaus in Dübendorf

85 Meter ragt der neue Giessenturm nach oben. Damit ist er das höchste Gebäude von Dübendorf. Ein besonderes Augenmerk gilt der Fassade.

Der Giessenturm ist Teil des neuen Quartiers «Im Giessen», das auf dem einstigen Gewerbeareal der EMPA und der Givaudan zwischen dem Uferweg der Glatt und der Überlandstrasse wächst. Ein 2014 erarbeiteter Masterplan der Architekten des Zürcher Atelier WW bildet die Basis des Projekts. Fertiggestellt wird es bis 2022 in vier Etappen. 

«Im Giessen» steht für die Entwicklungsziele der Stadt. Um den Raum an der Glatt aufzuwerten, sollen über 300 Wohnungen, eine Altersresidenz, Seniorenwohnungen, Gewerberäume und Ladenflächen entstehen und die Stadt verdichten. Die Baukosten der zweiten Etappe Giessenturm belaufen sich auf 85 Millionen Franken. 

Versetzt angeordnete Fassadenelemente und 131 Loggias geben dem Turm ein lebendiges Gesicht.

Das Hochhaus markiert die Schnittstelle zwischen der suburbanen Gewerbe- und Industriezone und dem gewachsenen, kleinkörnigen Kern der historischen Gemeindestruktur Dübendorfs. Der Komplex besteht aus einem viergeschossigen, langgestreckten Bau, auf das Atelier WW ein quadratischer Turm aufsetzt. Mit einer Drehung greifen die beiden Gebäudeteile ineinander. Das Thema dieses Richtungswechsels übertragen die Architekten ebenfalls auf die Grundrisstypologie: Zwei ineinandergreifende Quadrate schaffen vielfältige Ecksituationen, die Ankerpunkte im Strassenraum bilden, sowie Blickbeziehungen öffnen.

In den vier Sockelgeschossen entstehen altersgerechte Appartements. Dazu kommen ein Restaurationsbetrieb sowie Mehrzweck- und Gewerberäume im Erdgeschoss. Im Turm befinden sich 80 Seniorenwohnungen sowie 50 weitere Wohneinheiten.

Der Turm ist Teil des Projekts «Im Giessen».
Lebendige Hülle

Ein besonderes Augenmerk gilt der Fassade: Ein richtungsloses Netz überspannt beide Gebäudeteile. Durch versetzt angeordnete Elemente und 131 Loggias erhält der Turm ein lebendiges Gesicht. Die in Aluminiumrahmen eingefassten Fenster variieren in ihrer Breite sowie der Öffnungsart und verflechten sich so zu einer eleganten Hülle. Ihre bronzene Farbe bezieht sich auf die typischen Backsteinfassaden und den Rostoberflächenstrukturen industrieller Bauten, wie sie früher in der Nachbarschaft beheimatet waren. 

Die bronzefarbene Materialisierung bezieht sich auf typische Backsteinfassaden und den Rostoberflächenstrukturen industrieller Bauten.

Die insgesamt 1254 Fassadenelemente setzen sich aus drei Grundtypen zusammen, ergänzt durch Eck- und Loggia-Elemente. Die Metallbauer fügten alle Komponenten, inklusive Gläser, Raffstoren, Brüstungen und Blenden im Werk zu montagefertigen Elementen. Vor Ort spannen sich nun alle geschosshoch über drei Meter und gliedern sich in Flügel, fest verglaste und opake Elemente. Das jeweilige Flügelelement besteht aus einem tragenden, innen umlaufenden Aluminiumrahmen.

Dank geschosshoher Verglasung bieten die Wohnungen eine spektakuläre Aussicht. Zwischen die Deckenstirne geschoben und bis 900 Millimeter unter die Decke reichend liegt der Schutz gegen Brandüberschlag.
Nachhaltiger Komfort

Auf der Südseite des Gebäudes schliesslich schaffen die Architekten durch die leicht zurückspringende Fassade eine Arkade. Dahinter nimmt die Pfosten-Riegel-Fassade das Erdgeschoss fast vollständig ein. Hier befinden sich auch die Haupteingänge und den Zugang zu den Gewerberäumen. 

Die Fassade ist aus Sonderprofilen des Schüco-Elementsystems der Serie AWS 75 SI aufgebaut, in das zwei Dichtungsebenen integriert sind.

Durch umweltverträgliche Materialien und dank der hervorragend isolierten Fassade – das Standardfenstersystem AWS 75.SI für die Bautiefe 75 Millimeter ist die Basis für verschiedenste Anwendungen in energieeffizienten Gebäudehüllen – erreicht das Projekt den Minergie-Standard sowie das Gütesiegel «greenproperty».

Auf der Südseite des Gebäudes entsteht durch leichtes Zurückspringen der Fassade eine Arkade. Dahinter nimmt die Pfosten-Riegel-Fassade das Erdgeschoss fast vollständig ein.

Und auch die nachhaltige Raumentwicklung kommt insbesondere bei der inneren Verdichtung und beim demografisch durchmischten Wohnen zum Ausdruck. Dazu passt abschliessend die einladende Garten- und Parkanlage des Giessenturms, der mit filigraner Fassadeneleganz das Stadtbild prägt.

Die Rubrik Werkplatz ist eine Kooperation von Hochparterre mit ausgesuchten Firmen und Institutionen des Werkplatzes Schweiz.

close

Kommentare

Andreas Diethelm 21.08.2021 04:37
Wieder wird der Wohnturm gefeiert: "Und auch die nachhaltige Raumentwicklung kommt insbesondere bei der inneren Verdichtung und beim demografisch durchmischten Wohnen zum Ausdruck." Ich verstehe zwar nicht genau, worin hier innere Verdichtung bestehen soll, aber ich weiss, wie alle, die sich die Mühe nehmen, genau hinzuschauen, dass weder baulich noch sozial etwas nachhaltig am "Giessenturm" sein kann. Als finanziell nachhaltig, also mittelfristig rentabel dürfte sich die Investition des CS-Fond bei der geldpolitischen Grosswetterlage aber schon erweisen, wieso also die schönen Aussichten mit unbequemen Blicken auf Materialflüsse, graue Energie und Ökobilanzen verderben. Wer kann das wollen. "Die einladende Garten- und Parkanlage" kann einen immerhin von einer ökologisch nachhaltigen Aussenraumgestaltung träumen lassen, solange man kein Bild davon hat.
Kommentar schreiben
Ich kann das Bild nicht lesen