Ein Leuchtturm für Nachhaltigkeit: der Neubau des Amtes für Umwelt und Energie in Basel Fotos: Philip Heckhausen
Im Auftrag von Minergie Schweiz

Der Verantwortungs­leuchtturm

In der Basler Altstadt steht ein neues Amtshaus. Es macht vor allem mit seiner Solarfassade von sich reden, die Strom produziert. Es ist Minergie-A-ECO zertifiziert und reduziert so seinen CO2-Ausstoss.

Wer ins Untergeschoss des Neubaus für das Amt für Umwelt und Energie (AUE) an der Basler Spiegelgasse kommt, der steht vor einem Stück alter Mauer. Die kantonalen Archäologen stiessen nach Abbruch der bestehenden Gebäude auf das Fragment und sorgten dafür, dass es erhalten blieb. Es gehörte zu einem mittelalterlichen Haus, das statt aus den üblichen Bruchsteinen aus schön behauenen Steinquadern gemauert war – eine Repräsentation, die mit Aufwand und höheren Baukosten verbunden war. Womit wir beim AUE-Neubau wären. Den umhüllt eine ebenso schmucke wie aufwändige Photovoltaikfassade. Die effizienten Solarzellen schimmern durchs weich geformte Schmelzglas und hinter rhythmisch verteilten, metallischen Punkten. Die PV-Fassade hat etwas mehr gekostet als eine herkömmliche PV-Fassade, ist aber faszinierend. Sie gibt dem Gebäude seinen eigenen Charakter und bindet es in den engen, denkmalgeschützten Kontext der Basler Altstadt ein. Und sie repräsentiert Verantwortung: Das Amt, das hinter dieser Fassade arbeitet, sorgt als baubewilligende Behörde im Kanton Basel Stadt unter anderem für energetisch gute Bauten. Das Gebäude will Vorbild sein für energieeffizientes und ökologisches Bauen.

Die ebenso schmucke wie aufwändige Photovoltaikfassade macht aus dem Bürohaus ein Kraftwerk.

Zum Zeitpunkt des Wettbewerbs sprach noch kein Mensch von Netto-null-Emissionen. Wie aus dem Bürohaus ein Leuchtturm für Nachhaltigkeit werden sollte, beschreibt das Wettbewerbsprogramm unter anderem mit Blick auf die 2000-Watt-Gesellschaft. Der Kanton verlangt für seine eigenen Neubauten Minergie-P oder einen vergleichbaren Standard. Neben regionalen Materialien oder einer rückbaubaren Konstruktion wünscht er sich beim AUE-Bau explizit, «die Energieproduktion vor Ort in das Gebäudekonzept zu integrieren», und entscheidet sich für das damals noch neue Label Minergie-A-ECO. Das AUE-Gebäude ist eines der ersten, für das eine Bauherrschaft die Zertifizierung beantragt. Im Oktober 2021 wird es nach langer Planungs- und Bauphase endlich bezogen – als es bereits über tausend zertifizierte Minergie-A-Bauten gibt. Aber bei wenigen davon sind die Voraussetzungen ähnlich ungünstig, denn das Haus liegt in der engen Basler Altstadt. Wie meisterte das Planungsteam diese Herausforderung?

Schon im Treppenhaus zeigt sich die Holz-Beton-Hybridkonstruktion.

Technik, aber nicht zu viel
Minergie-A setzt grundsätzlich drei Schwerpunkte: 1. Die Reduktion der CO2-Emissionen, 2. Die Produktion des eigenen Strombedarfs, 3. Der Hitzeschutz der Nutzenden. Auf Punkt eins reagiert vor allem die Holz-Beton-Hybrid-Konstruktion, in der Bäume aus der Region stecken. Punkt zwei übernimmt das ebenso schmucke, wie fleissige Paillettenkleid der Fassade, bestehend aus 1141 Quadratmetern PV-Modulen an allen Seiten des Gebäudes. Für Punkt drei ist keine mechanische Kühlung zuständig, sondern die natürliche Nachtauskühlung: Die rund 60 Lüftungsflügel der Fenster öffnen sich und die einströmende Nachtluft entzieht den Böden und den Betonteilen der Decken die eingelagerte Wärme. Verstärkt wird dieser Luftstrom durch den Kamineffekt des Treppenhauses, durch dessen Glasdach ein Grossteil der Wärme abgeführt wird. ECO ergänzt den Minergie-A-Baustandard um eine besonders gesunde und ökologische Bauweise. Und stellt sicher, dass auch während des Baus möglichst wenig CO2 ausgestossen wird.

Die Büroräume prägen grosse Fenster und die Konstruktion.

Mit seinem Techno-Kleid und den Closed-Cavity-Fenstern mag das AUE wie eine Maschine erscheinen. Und tatsächlich: Technik spielte schon in der Planung eine wichtige Rolle. Es war ein frühes BIM-Projekt. Auf die Erkenntnisse einer FHNW-Bachelorarbeit zur Aufteilung der PV-Module konnten die Architekten schon im Entwurf reagieren, zum Beispiel mit weniger Südfenstern. Doch die digitale Planungstechnik diente mit Simulation und Überprüfung des Betriebs vor allem dazu, Gebäudetechnik zu minimieren und die Räume und das Material des Gebäudes bestmöglich thermisch zu aktivieren. Das war ein feines Austarieren, schon im Entwurf: Wie viel Beton muss in die Decken, um genügend Masse für die Nachtauskühlung zu haben? Wie wenig, damit die graue Energie nicht zu gross wird? Wie gross dürfen die Fenster sein, damit möglichst wenig Sonnenwärme hineinkommt? Wie klein, damit es genug Tageslicht gibt? Digitale Tools boten hier ein präzises Abwägen, ein Lösen der Konflikte. Das Gebäude wird nun von der FHNW durch einen ‹digitalen Zwilling› in den nächsten Jahren begleitet und im Betrieb weiter optimiert.

Der Neubau ist Teil eines Baublocks an der Spiegelgasse in Basel.

Nutzerverhalten ist Teil des Gebäudes
Doch nicht die Technik sollte im neuen Bürohaus die Hauptrolle spielen, sondern die Mitarbeitenden. Ihre Schreibtische stehen nun in lichten und offenen Büroräumen und sind nicht persönlich zugewiesen, brauchen also insgesamt weniger Platz. Die Lüftungsflügel der Fenster können auch manuell geöffnet werden, was in der Sommerhitze nicht empfehlenswert ist. So oder so werden sie an wenigen Spitzentagen im Jahr etwas höhere Temperaturen ertragen müssen. Das Verhalten der Menschen, die das Gebäude nutzen, ist Teil des Leuchtturmprojekts.

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