Campus Muttenz unter dem Tageslichtdom: Mit einem Graukartonmodell im Massstab 1: 100 konnten die Lichtplaner zeigen, dass Tageslicht durch die beiden 65 Meter hohen Atrien bis ins Erdgeschoss fällt.
In Zusammenarbeit mit Zumtobel

Am Anfang war das Kartonmodell

Der 72 Meter tiefe Kubus des FHNW Campus Muttenz war eine Herausforderung in der Beleuchtung. Grossflächige Fenster und zwei Atrien schaufeln viel Tageslicht ins Innere, 13 Kilometer Linienleuchten ergänzen es.

Im 64 Meter breiten, 72 Meter langen und 65 Meter hohe Kubus des Campus Muttenz der FHNW arbeiten 4500 Studierende, Professorinnen und Dozenten von fünf Hochschulen über-, mit- und nebeneinander. Sie alle brauchen zum Lernen, Lehren und Forschen gutes Licht. Wie aber es in ein 72 Meter tiefes Gebäude bringen? Über eine grosszügig verglaste Fassade, zwei turmhohe Atrien und sorgfältig gesetztes Kunstlicht. Wie viel Tageslicht fällt aber tatsächlich über die beiden Lichthöfe in die Eingangshalle und die Arbeits- und Begegnungsräume? Das war die Hauptfrage, welche die Bauherrschaft zu Beginn der Planung an die Architekten von Pool und die Lichtplaner von Reflexion stellte. Mit einem Graukartonmodell im Massstab 1: 100 unter ihrem Tageslichtdom konnten die Lichtplaner erste Antworten geben. Die analoge Simulation unter dem künstlichen Lichthimmel liess die Bauherrschaft – und wohl auch die Planer – aufatmen: Die Tageslichtanalyse aller Geschosse zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten zeigte, dass erstaunlich viel Licht bis tief ins Innere des Kubus fällt. Vielmehr noch: Die Simulation zeigte, dass vielfältige Tageslichtsituationen entstehen und für unterschiedliche Atmosphären und Raumeindrücke sorgen. Sie zeigt weiter, dass es keine zusätzlichen architektonischen Massnahmen brauchte, wie etwa weiss gestrichene Betonwände.

Blick in eines der beiden turmhohen Atrien der Fachhochschule. Die grossflächige Verglasung der Innenfassaden lässt viel Licht in die Arbeitsräume fallen.

Das Kunstlichtkonzept baut auf die modellbasierte Tageslichtuntersuchung auf. Sein wichtigster Parameter: Das Kunstlicht ordnet sich der grossen, strengen Form und der klaren Architektur unter. Sämtliche Leuchten sind weitestgehend in die Bauteile integriert. Im ganzen Haus reagieren zwar unterschiedliche Leuchten auf die vielen unterschiedlichen Lichtsituationen – Profilleuchten etwa akzentuieren die monumentalen Treppenaufgänge oder Downlights beleuchten die Hörsääle – doch alle stehen im Dienst der Architektur.

Das Kunstlicht ordnet sich der strengen Form und der klaren Architektur unter. Profilleuchten akzentuieren die monumentalen Treppenaufgänge, die von der Eingangshalle in die ersten drei Obergeschosse führen.

Den Standardfall bilden 13 Kilometer speziell entwickelte LED-Linienleuchten. Sie sind, wie ein Teil der Haustechnik, zwischen die Rippen der Betondecke eingebaut, welche die Korridore, Büro-, Seminar- und Laborräume von der dritten bis zur zwölften Etage bestimmen. Die Linienleuchten sorgen für eine gleichmässige Lichtdichte und bilden in der Repetition einen fast schon grafischen Lichthimmel. Dieser ist visuell so markant, dass er ganz unterschiedlichen Räume in Einklang bringt. Und im dritten Obergeschoss bringen sie die in Yves-Klein-Blau ausgemalten Deckenräume wunderbar zum leuchten.

Im dritten Obergeschoss bringt die Linienleuchte «Freeline» die in Yves-Klein-Blau ausgemalten Deckenräume zum leuchten.

Weil die Lichtplaner zwar eine Linienleuchte, aber trotzdem ein körperhaftes, dreidimensionales Licht wollten, haben sie zusammen mit Zumtobel eine Leuchte speziell entwickelt. Die daraus entstandene «Freeline» besteht aus einem schmalen U-Profil aus Aluminium und einer optisch wirksamen Abdeckung. Wichtig war den Lichtplanern, dass das Licht auch seitlich austritt, denn nur so wirkt es körperhaft. Weil das aber Blendungen produziert, gibt es zwei Arten von Linsen: die primäre bündelt das Licht des LED-Bandes, die sekundäre zerstreut und lenkt es zu den Austrittsflächen unterhalb des Aluminiumprofils. Zwei Modelle decken alle Anwendungsbereiche ab. Sie unterscheiden sich in ihrer optischen Ausführung. Die diffus leuchtende, blendungsarme Version wird in Büro- und Schulräume eingesetzt. Sie kreiert mit ihrem seitlichen Lichtaustritt eine weiche Lichtatmosphäre. Die direkt strahlende Version wird als architekturwirksamer Wallwasher oder Tafelbeleuchtung eingesetzt.

Die speziell für Muttenz entwickelte Leuchte «Freeline» besteht aus einem schmalen U-Profil aus Aluminium und einer optisch in drei Richtungen wirksamen Abdeckung.

So ist in Muttenz ein Hochschulgebäude entstanden, in dem das sorgfältig in die Architektur integrierte Licht den Raum adelt und trotzdem alle technischen Anforderungen und Normen erfüllt.  

Zumtobel und Hochparterre laden am 24. September zu einer Führung von Lichtplaner Thomas Mika von Reflexion und David Leuthold von Pool Architekten durch den Bau ein. Anmeldung hier.

Die Rubrik Werkplatz ist eine Kooperation von Hochparterre mit ausgesuchten Firmen und Institutionen des Werkplatzes Schweiz.

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