Während Veranstalter*innen sich in Konkurrenzverfahren mehr Dialog wünschen, stehen Planer*innen diesem Format eher skeptisch gegenüber. Welche Vorteile hätte ein echter Dialog, und wann am besten?
Die Zwischenbesprechung eines Studienauftrags läuft in der Regel folgendermassen ab: Das Architekturbüro präsentiert seinen Entwurf, und die Jury gibt später schriftlich Feedback. Als Laborgruppe haben wir uns gefragt: Ist das ein «echter» Dialog? Denn es fehlt der Austausch, also die Bereitschaft zu einer Reaktion auf beiden Seiten. Schon früh haben wir als Laborgruppe erkannt, wie wenig das Dialogverfahren mit gegenseitigem Austausch nach allgemeinem Verständnis zu tun hat. Oft ist im Wettbewerbsprogramm zudem nicht klar definiert, wie der Dialog stattfinden soll. Klar ist hingegen: Das Dialogverfahren erhöht den Aufwand für alle Beteiligten.
Was kann man tun? Am Anfang steht die Verfahrenswahl. Wer auslobt und Wettbewerbe organisiert, muss den Nutzen eines Dialogverfahrens klären. Geeigneter wäre ein Projektwettbewerb im offenen Verfahren; geht es indes darum, die Planungsteams kennenzulernen, wären beispielsweise Atelierbesuche oder Büropräsentationen vor dem Konkurrenzverfahren sinnvoll. Und sollte dennoch ein Dialog erforderlich sein, könnten zweistufige Verfahren helfen, den Abgabeaufwand zu reduzieren. Vielleicht wären dazu auch gestaffelte Honorare nötig. Denn Planungsbüros kritisieren weniger den Aufwand an sich als die unbezahlte Mehrarbeit. Jüngere Büros weisen auf ein weiteres, überraschendes Problem hin: Die fehlende Rangierung in Dialogverfahren sei wenig hilfreich für spätere Bewerbungen an Präqualifikationsverfahren.
Ein kontroverses Thema
Die Rückmeldungen und Diskussionen beim Wettbewerbslabor haben die Einschätzungen der Laborgruppe bestätigt. Man beklagte sich über Auftraggeber*innen, die es sich zu einfach machen und das Dialogverfahren missbrauchen, um sich eine gründliche Vorbereitung des Verfahrens zu sparen. Architekturbüros haben es an Zwischenbesprechungen mit wenig hilfreichen Rückmeldungen zu tun. Meist fehlt es an nachvollziehbarer Kritik. Begrüssenswert wären Rückfragerunden und echte Diskussionen mit der Jury. Doch kann die Jury dabei unabhängig bleiben? Wie ist es mit dem ungewollten Ideentransfer von einem Projekt zum anderen? Offen bleibt, wie eine dialogische Frage-Antwort-Runde aussehen könnte.
Die wichtigsten Erkenntnisse
– Richtig angewendeter Dialog kann Mehrwert bieten.
– Dialog ist aufwendig und braucht Kompetenz.
– Dialogverfahren ersetzen nicht die Grundlagenbeschaffung.
– Frühe Projektphasen können sich für Dialog besser eignen.
– Echter Dialog ist sinnvoller als einseitiges Feedback.
Einig waren sich die Planer*innen: Je früher Dialogelemente in den Prozess einfliessen, desto wertvoller sind sie für die Lösungsfindung – etwa bei der Programmentwicklung oder bei wichtigen Grundsatzentscheiden. Auf der anderen Seite meldeten sich Auftraggeber*innen, die gute Erfahrungen mit Dialogverfahren gemacht haben. Sie nehmen eine grössere Teilhabe am Prozess wahr und haben häufig den Eindruck, dadurch Fehlentwicklungen verhindern zu können. Ausserdem erfordert das zunehmende Bauen im Bestand einen intensiveren Austausch aller Projektbeteiligten. Auch wenn die Meinungen gespalten waren, gab es einen Konsens darüber, dass ein Dialog eine hohe Kompetenz bei der Moderation und der Verfahrensbegleitung verlangt.
Was für einen frühen Dialog spricht
Das Fazit aus dem Wettbewerbslabor: Echter Dialog ist aufwendig – richtig angewendet, kann er aber für alle Beteiligten einen grossen Mehrwert bedeuten. Problematisch sind Dialogverfahren, in denen die Kompetenz der Besteller*innen fehlt und Ziele nur mangelhaft formuliert sind. Dialoge bedingen fundierte Vorbereitung und müssen klar definiert sein. Ein Dialogverfahren ist kein Ersatz für die Grundlagenbeschaffung.
Wann immer eine Stelle einen Wettbewerb auszuschreiben plant, sollte sie sich fragen, ob sie den Dialog zum richtigen Zeitpunkt einsetzt. Ist er im Studienauftrag richtig verortet? Der Einbezug von Planer*innen schon in der Phase der Projektdefinition, der Aufgabenstellung oder Testplanung könnte einen grossen Nutzen bieten. Viele Planende zeigen sich auch offen gegenüber neuartigen Formaten wie Workshops oder kokreativen Austauschrunden. Und schliesslich böte ein Dialog in einer frühen Phase die Möglichkeit, später einen einfachen, schlanken Projektwettbewerb durchzuführen.
Wenn ein Dialog stattfinden soll, dann wünschen wir uns einen echten. Das heisst, dass Auftraggeber*innen sich offen, lernwillig und bereit zeigen, Stellung zu beziehen. Zudem ist zu klären, wie sich der echte Dialog vom einseitigen Feedback unterscheidet. Und zu guter Letzt: Wenn das Verfahren entschieden ist und ein Projekt auf dem Tisch liegt, geht der Dialog erst richtig los.
Laborgruppe ‹Mehr Dialog›
Christina Leibundgut (Moderation), Caspar Bresch, Ronny Koenig, Emmanuel Laux, Laura Pastior, Martin Schmid, Ivo Bösch (Begleitung)