Fast unmerklich umgebaut und erweitert: Der Cafépavillon auf der Kleinen Schanze in Bern präsentiert sich rundum erneuert – und ist sich trotzdem treu geblieben.
Das Parkcafé ‹Kleine Schanze› ist eine Stadtberner Institution. Laue Sommerabende verbringt man gern hier, bei gutem Wetter mit Blick auf die Drei- und Viertausender des Berner Oberlands und den Stadtpark, der hier im 19. Jahrhundert anstelle der Stadtbefestigung angelegt worden ist. Der im Volksmund «Milchbar» genannte Bau entstand 1945 als offene Trinkhalle und trägt ein sachliches Kleid: ein Stützenraster aus Naturstein, hell verputzte Wände und ein einfaches Pultdach mit sichtbaren Holzsparren. Doch mit den Jahren verunklärten immer mehr An- und Umbauten die klaren Formen, und auch betrieblich zeigten sich immer mehr Knackpunkte.
Bestand erhalten, störende Elemente entfernen
Als Eigentümerin entschied sich Immobilien Stadt Bern 2021 für ein Planerwahlverfahren mit dem Ziel, diese Defizite zu beheben. Im Pflichtenheft standen besser angeordnete Aussensitzplätze, unabhängig zugängliche Toiletten, eine rundumerneuerte Haustechnik, Barrierefreiheit und eine zeitgemässe Gastroeinrichtung. Kast Kaeppeli Architekten gewannen das Verfahren mit dem Konzept, den Bestand zu erhalten, die störenden Elemente zu entfernen und die Zeitschichten zum neu-alten Ganzen zu verschleifen.
Im Winter 2023/24 wurde der Gastronomiebetrieb mit 180 Sitzplätzen vollumfänglich saniert, umgebaut und erweitert. Die Neugestaltung des Parks schlossen Uniola Landschaftsarchitekten im Sommer 2025 ab. Die ‹Bundesmeile› mit Kleiner Schanze, Bernerhof und Bundeshaus erstrahlt nun durchgängig in neuem Glanz.
Wie immer bei beliebten Treffpunkten plagt einen die Sorge, dass mit der Neuauflage vieles anders und womöglich schlechter wird. Hier allerdings ist diese Angst gänzlich unbegründet. Mit zugekniffenem Auge ist auf den ersten Blick nicht einmal klar, ob und wo erweitert wurde. Die neue Milchbar ist ganz die alte geblieben – einerseits. Andererseits haben die Architekten den Bau umsichtig und mit viel Fingerspitzengefühl in die Gegenwart befördert. Als Hauptmassnahme zeigt sich das einstige Pultdach parkseitig zum Schmetterlingsdach verdoppelt, sodass der elegante Pavillon dem Grün nun nicht mehr den Rücken zukehrt. Dort befindet sich auch die neue Aussenbar, deren per Knopfdruck öffenbare Fassade neue Bewirtungsmöglichkeiten erlaubt.

Diagonal verlegte rote Terrazzo-Bodenplatten
Die charakteristischen, die Fassade rhythmisierenden Stützen aus Bündner Gneis, auf denen die hölzerne Dachkonstruktion ruht, und die weiss gestrichenen Sparren spielen auch beim ergänzten Gebäudeteil die Hauptrolle. Im Innenraum schaffen diagonal verlegte rote Terrazzo-Bodenplatten und die sichtbaren Holzbalken eine Atmosphäre, die zwar den Geist der 1940er-Jahre anklingen lässt, dabei aber dennoch frisch und zeitgemäss wirkt. Die Wandtafeln aus grünem Sandstein, die bei den geschlossenen Wandteilen zum Einsatz kommen, versprühen zudem viel Berner Lokalkolorit.
Durchbohrte Gneisstützen mit Metallkernstab
Dass ein bewährtes System unter dem Einfluss neuer Anforderungen manchmal konstruktive Kniffe bedingt, zeigt sich bei den neuen freistehenden Gneisstützen. Diese mussten der Länge nach durchbohrt werden. Der fünf Zentimeter dicke Metallkernstab darin steht auf Edelstahlauflagern und ist mit Mörtelkleber fest mit dem Steinmantel vergossen. Rechnerisch verhindert dieses Verbundsystem das Ausknicken der Stütze. Tatsächlich fehlt aber vor allem eine Norm zur Bemessung tragender Natursteinelemente. Denn wie der Bestand beweist, tragen schlanke Gneisstützen ihre Lasten seit Jahrzehnten zuverlässig auch ohne stählerne Unterstützung.
Parkcafé Kleine Schanze, 2024
Bundesgasse 7, Bern
Bauherrschaft: Immobilien Stadt Bern
Auftragsart: Planerwahlverfahren, 2021
Architektur: Kast Kaeppeli, Bern
Bauingenieur: WAM, Bern
Landschaftsarchitekten: Uniola, Zürich
Gastrofachplanung: H plus S, Ittigen
Gesamtkosten (BKP 1–9): Fr. 3 Mio.
