Unser Planet besteht, abgesehen vom metallischen Kern, fast ausschliesslich aus festem und flüssigem Gestein. Kein Wunder also, bauten wir während Jahrtausenden aus Stein all das, was dauerhaft sein sollte: von Stonehenge, den Pyramiden und der Akropolis über Angkor Wat und Machu Picchu bis zum Arc de Triomphe sowie Burgen und Schlössern, Palästen und Kirchen.
Nach den Weltkriegen wurde Naturstein schrittweise zur Tapete auf Böden, an Wänden und Fassaden. Im Palais de Tokyo rissen Lacaton Vassal diese herunter und legten das Betonskelett frei. Doch Stein ist im Überfluss vorhanden, stärker als Beton und mit sechs Schnitten zum Quader und etwas Transport auch weit CO₂-ärmer. Darum erlebt struktureller Stein derzeit eine Renaissance. In Frankreich knüpfen Gilles Perraudin, seine Apologeten und Barrault Pressacco an eine Steinbautradition an, die mit Fernand Pouillon und unbekannteren Pariser Architekten bis in die 70er-Jahre lebendig war. Wie eine lange Reportage zeigt, trägt Archiplein aus Genf den strukturellen Steinbau nun in die Schweiz. Schlank und hybrid zeigt das Atelier einen Entwicklungspfad fernab archaischer Mauern aus grossen Quadern auf. Niklas Nalbach steuert ein Kapitel aus Mallorca bei.
Doch der Naturstein ist mehr als ein Mauerstein. Darum besuchte Maarit Ströbele den Klosterplatz Mariastein, den Ehrenklau Hemmerling mit digitalen Mitteln neu gestalten. Mirjam Kupferschmid betrachtete eine Fassadensanierung von Meier Hug in Zürich. Marcel Bächtiger sprach mit Jürg Conzett, der historische Bahnviadukte ertüchtigt und mit Eleganz und Ingenieursverstand neue Steinbrücken baut. Martin Klopfenstein besuchte das Parkcafé von Kast Käppeli in Bern und ich Lando Rossmaiers Umbau der Mühle Ennenda bei Glarus. Matthieu Gafsou fotografierte das alles gekonnt.
Zudem sprach Axel Simon mit Elli Mosayebi über ihre Natursteinsemester an der ETH Zürich, ein Forschungsprojekt und das erste Projekt von EMI Architekt*innen, bei dem Naturstein tragen soll. In einem Interview äussert sich Christian Bärlocher über den Schweizer Steinmarkt – über Abbau und Abfall, billige Randsteine aus China und teure Platten aus Brasilien, Imitate aus Keramik und die Konkurrentin Beton. Frohe Lektüre!