Clara Richard Gostynski und Ella Eßlinger haben für die zweite Ausgabe von ‹Nachglühen/Afterglow› wieder viele Geschichten zusammengetragen.

Nachglühen #2

Die Schriftenreihe ‹Nachglühen/Afterglow› ist ein Versuch, die Architektur des 20. Jahrhunderts durch das Leben unserer Grossmütter zu betrachten. Am Mittwoch wird die zweite Ausgabe vorgestellt.

Das Verhältnis der Frauen zum häuslichen Raum hat sich im letzten Jahrhundert vielfach verändert, schreiben die Herausgeberinnen Ella Eßlinger und Clara Richard Gostynski im Editorial zur zweiten Ausgabe ihrer Schriftenreihe ‹Nachglühen/Afterglow›. Auf der Suche nach dem Einfluss «unserer» Grossmütter auf Architektur und Stadtplanung tauchen die im Heft versammelten Beiträge in deren Privatleben ein und werfen einen Blick in Hinterhöfe, Hauseingänge, Kleiderschränke, politische Dokumente und Verträge. Das materielle und immaterielle Erbe, das dabei zusammenkommt, verstehen die Herausgeberinnen als Grundlage für die Aushandlung von Raum. Die Schriftenreihe, deren erste Ausgabe 2022 erschienen ist, baut ein architekturbiografisches Archiv auf, das die Geschichten von Frauen erzählt, die uns zeitlich nah und zugleich fern sind. Die Beiträge der schreibenden Autor*innen verwandeln persönliche Erinnerungen in historisches Wissen und erweitern die Perspektiven für zukünftige Begegnungen mit der gebauten Umwelt.

Narrative verschieben
Während der Arbeit an der zweiten Ausgabe stellten Ella Eßlinger und Clara Richard Gostynski fest, dass es nicht genügt, «to let our grandmothers speak» (‹Nachglühen/Afterglow› erscheint auf Deutsch/Englisch). Manchmal müssen wir ihre Narrative verschieben. Die Konfrontation mit unserer familiären Architektur entwickelt sich zu einer fast losgelösten Untersuchung und das Haus bleibt nur ein Ausgangspunkt, schreiben sie. Ihr Projekt folgt keiner bestimmten Methode. Umso vielfältiger sind die Geschichten, die sie zusammengetragen haben.

Das Release der zweiten Ausgabe von ‹Nachglühen/Afterglow› findet am Mittwoch, 10. Juli um 19 Uhr in der Buchhandlung ‹Hochparterre Bücher› statt.

Das Heft nimmt uns mit in norditalienische und kanadische Arbeiter*innensiedlungen, auf die Spuren südamerikanischer Bäume in britischen Gärten und nach Ost- und Westdeutschland. Es beinhaltet ein Gespräch mit einer Professorin für Denkmalpflege, die gegen eine hegemoniale und patriarchalische Tradition in der institutionellen Denkmalpflege antritt, und schickt uns auf eine Zeitreise nach Brasilien und Bolivien, um dann wieder in ein Grossmutter-Haus im griechischen Tripoli zurückzukehren. Ein weiterer Beitrag beschäftigt sich mit der Farbe Rot, einem Trend der 1970er-Jahre, dem eine andere Grossmutter verfallen war. Die Ästhetik des 20. Jahrhunderts, mit der die Leser*innen dabei konfrontiert werden, lässt sich laut den Herausgeberinnen mit ‹Nostalgie/Nostalgia› beschreiben. Sie geben auch zu bedenken, dass es eine Herausforderung sei, das Leben unserer Vorfahren nicht zu romantisieren, sondern als wertvolle Quelle für jüngere Architekturgeschichte(n) zu nutzen.

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