Die Biennale frisst Venedig

Öffnung ist das Thema an der Architekturbiennale: Die Nationenpavillons von Österreich, Deutschland und der Schweiz öffnen sich ihren Nachbarn – empathisch, zupackend oder auch nur symbolisch.

Öffnung ist das Thema an der Architekturbiennale: Die Nationenpavillons von Österreich, Deutschland und der Schweiz öffnen sich ihren Nachbarn – empathisch, zupackend oder auch nur symbolisch.

Diesmal mache Deutschland alles richtig, meint die Kollegin aus Berlin. Im Deutschen Pavillon stapeln sich Bretter und Balken, weisse Lüftungsrohre und grellblaue Styroporsäulen. Überbleibsel der letztjährigen Kunstbiennale, die auf ihre Wiederverwendung warten. Lehrlinge und Studierende aus Deutschland reparieren zusammen mit lokalen Initiativen venezianische Häuser. Rechts im Pavillon sägen sie in der professionellen Werkstatt, links trinken sie Tee, und wenn sie mal müssen, gehen sie auf die AllGender-Trockentoilette mit Urinreaktor. Auch Kunst wird wiederverwendet, sprich: Das Werk der Kunstbiennale wird einfach übernommen. Den Innenputz des Nazi-Gebäudes hatte eine Künstlerin stellenweise abgeschlagen, den Boden aufgerissen und so die böse Baugeschichte freigelegt. Zur Eröffnung tanzten Menschen mit Beeinträchtigung die neu angelegte Rampe zum Übermensch-Portal des Deutschen Pavillons hinauf. Schliesslich feierte man die sonst exklusive Party heuer als Quartierfest, gratis zwischen teils besetzten Arbeiterhäusern. Auf allen erdenklichen Ebenen leistet der Deutsche Pavillon Care-Arbeit. Zwischendurch kommen Zweifel: Ist dieses Alles-richtig-Machen eine Persiflage? Spätestens beim Durchblättern des ‹Arch+›- Katalogs wird klar: Es ist ernst gemeint.   ###Media_2### ###Media_3### Richtig machen es diesmal viele. Zuallererst Lesley Lokko. Die ghanaisch-schottische Kuratorin stellt in der Hauptausstellung ihren Heimatkontinent in den Fokus. In den Hallen des Arsenale und im zentralen Giardini-Pavillon spaziert man durch Afrika siehe «Es geht um ein lokales Bewusstsein für ein globales Problem», Seite 14. Die nationalen Beiträge sind in der Regel zupackend. Es geht um Sorge und Zuwendung, um Erde oder Wasser. Es überrascht, wie verwandt die Themen der drei deutschsprachigen Pavillons sind: ‹Open for Maintenance› titeln die Deutschen, ‹Partecipazione...

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