Bescheidene Ikone

Wie eine unerschrockene Kinobesitzerin, die Stiftung Cinémathèque suisse und die Stadt Lausanne einem legendären Kino zur Wiedergeburt verhalfen.

Fotos: Nicolas Prahin

Wie eine unerschrockene Kinobesitzerin, die Stiftung Cinémathèque suisse und die Stadt Lausanne einem legendären Kino zur Wiedergeburt verhalfen.

Welche Freude wäre es für Lucienne Schnegg, ihr Kino im neuen Glanz der historischen Leuchter erstrahlen zu sehen. Anfangs als Sekretärin angestellt und ab 1955 als Geschäftsführerin tätig, wurde Schnegg 1996 Eigentümerin des damals grössten Kinos der Schweiz. Die «kleine Dame vom Capitole» erlebte die Blütezeit des Filmtheaters und dessen späteren schrittweisen Niedergang. Wie eine Kapitänin eines untergehenden Schiffes blieb Schnegg trotz der fallenden Umsätze um die Jahrtausendwende am Steuer ihres Capitole. Sich weigernd, den bau- und kulturhistorischen Schatz an Immobilienspekulanten zu opfern, spann sie 2009 eine Partnerschaft zwischen der Stiftung Cinémathèque suisse und der Stadt Lausanne. Dies ermöglichte nicht nur die Erhaltung des Kinos in der Innenstadt von Lausanne, sondern hauchte ihm auch neues Leben ein. Die Stadt erwarb das Capitole 2010 und beauftragte 2015 das Architekturbüro Architecum damit, es zu restaurieren, zu erweitern und für die Cinémathèque suisse nutzbar zu machen. ###Media_2### Wer die Fassade mit dem emblematischen Schriftzug nach drei Jahren Bauzeit wiedererblickt, könnte sich fragen, was um alles in der Welt mit den gut 20 Millionen Franken passiert ist, mit denen die Stadt Lausanne den Umbau des historischen Kinos finanziert hat. Von aussen ist kaum eine Spur der ambitionierten und komplexen Herkulesaufgabe zu sehen, die Architecum unter der Leitung von Marion Zahnd und Katja Rapold in den vergangenen neun Jahren bewältigte. Das Projekt hatte zwei anspruchsvolle Schwerpunkte: Der erste war die Erstellung eines zweiten, für die Rentabilität des Betriebs notwendigen Kinosaals mit Foyer. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse – das Capitole grenzt dreiseitig an Nachbarsbauten und darf nicht aufgestockt werden – musste dieser unterhalb des historischen Saals zu liegen kommen. Der zweite Schwerpunkt war die Restaurierung...

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