Beitrag, nicht Aufwand

Wie viel Fachplanung verträgt ein Wettbewerb? Wer eine Antwort geben will, muss zuerst herausfinden: Was prägt die Ideenfindung zwischen Planung und Auslobung, Methodenfreiheit und Sicherheitsanspruch?

Fotos: Jakob Junghanss
In Zusammenarbeit mit Stiftung Forschung Planungswettbewerbe

Wie viel Fachplanung verträgt ein Wettbewerb? Wer eine Antwort geben will, muss zuerst herausfinden: Was prägt die Ideenfindung zwischen Planung und Auslobung, Methodenfreiheit und Sicherheitsanspruch?

Kaum ein Wettbewerb kommt ohne Fachplanungsteam aus. Doch was ist das eigentlich: Fachplanung? Welche Rolle spielt sie bei der Ideenfindung? Und wann trägt sie zur Qualität eines Entwurfs bei? In unserer Laborgruppe stellten wir rasch fest, dass der Begriff ‹Fachplanungsaufwand› am Thema vorbeizielt. Er suggeriert Belastung, Bürokratie und Kosten. Fachplanung ist aber weit mehr: Sie ist Ideengeberin, Qualitätstreiberin und Teil der konzeptuellen Entwicklung. Deshalb haben wir den Blick nicht auf den vermeintlichen Aufwand gerichtet, sondern auf das Potenzial der Expertisen – und darum unserer Gruppe einen neuen Namen gegeben: Fachplanungsbeitrag.

Sind wir nicht alle Fachplanende? Wer definiert die Rollen? Unsere Gruppe wurde selbst zu einem kleinen Labor: interdisziplinär, kommunikativ, iterativ. Fachplanung definierten wir als Expertenbeitrag zur Lösungsfindung. Wir diskutierten, welche Expertisen wann sinnvoll sind, welche Verfahren Ideen stärken und wie interdisziplinärer Austausch gelingt. Die Leitfrage lautete: Wie lässt sich ein Wettbewerb als Ideenlabor denken, dessen Ergebnis als Skizze gelten darf und nicht als Vorprojekt gilt? Wo bringt Fachplanung Mehrwert, wo wird sie zur Pflichtübung? Denn im Wettbewerb soll ein Team gemeinschaftlich Ideen formen – nicht Aufwand verwalten.

Der Beitrag im Zeitstrahl

Ein Wettbewerb hat stets ein Vorher und ein Nachher; in allen Phasen sind Fachdisziplinen beteiligt. Darum ordneten wir die Labordiskussion entlang dieses Zeitstrahls und erörterten Themen wie Ideenqualität, Rollen, Teamkultur, Verfahren sowie Vielfalt und Chancengleichheit.

Beim ‹Vorher› rückten die Grundlagen und das Programm in den Fokus. Die Diskussionen im Wettbewerbslabor bestätigen es: Die frühe Phase entscheidet über alles Folgende. Ein Wettbewerbsprogramm soll eine «Vision» formulieren und Fragen auf der richtigen Flughöhe stellen – statt ein Vorprojekt zu verlangen. Phasengerechte Bestellung und Bestellkompetenz sind zentral. Fachgutachten sollen gezielt eingesetzt, Machbarkeitsstudien gefiltert und Fachjurymitglieder früh einbezogen werden. Auch die Wahl des Verfahrens ist entscheidend: Steht die Idee im Zentrum, muss man prüfen, ob Fachplanende im Wettbewerb überhaupt einen Beitrag leisten können. Generalplanungsverfahren sind also nur sinnvoll, wenn die Aufgabe tatsächlich interdisziplinär erarbeitet werden muss – und nicht, weil sie die Organisation seitens der Auslobenden in der Projektierung vereinfachen. Vertrauen statt Absicherung und «so viel wie nötig, so wenig wie möglich».

Aufruf: Neue Wege zu echten Teams
Der Frage, wie viel Fachplanung ein Wettbewerb verträgt, geht eine grundlegendere voraus: Wie trägt Fachplanung zur im Ideenfindung Spannungsfeld zwischen Planung und Auslobung, Methodenfreiheit und Sicherheitsanspruch bei? Welche Modelle sind in der Praxis gefragt? 
Die Laborgruppe ist sich einig: Es braucht einen Dialog über phasengerechte Verfahren, faire Vergütungen und «echte» Teams. Sie möchte deshalb den Austausch fortführen – besonders mit Auslobenden, der öffentlichen Hand und der Verfahrensbegleitung. Deshalb plant sie für März 2026 ein Treffen. Gesucht sind Akteur*innen, die in einer offenen Werkstatt weiterdenken oder ein Pilotverfahren testen möchten.
Kontakt: oezdil@hochparterre.ch

Im Hinblick auf die Phase ‹Wettbewerb› diskutierten wir, wie Teams ihren Beitrag sichtbar machen können. Woran erkennt man echte Mitarbeit im Gegensatz zum Alibi? Wann entsteht echte konzeptuelle Zusammenarbeit – und wann handelt es sich um ein blosses Abarbeiten? Und: Darf ein Wettbewerbsentwurf Fragen offenlassen, oder wird stets eine «fertige» Lösung erwartet? Kontrovers debattiert wurde die Frage, wie viel Freiheit Teams in ihrer Zusammensetzung brauchen – und bei dem, was sie abliefern. Die Diskussion zeigte eine klare Spannung: Planende wünschen Methodenfreiheit, während Auslobende – insbesondere öffentliche – Sicherheit verlangen. Das führe zu frühzeitig angesetzten Vorprojekten, die die Kreativität bremsen, so die Planenden. Entscheidend sei, dass Beiträge aus einem gemeinsamen Entwurfsprozess entstehen – und Fachdisziplinen dort mitwirken, wo sie Mehrwert schaffen.

In puncto ‹Nachher› konzentrierte sich die Debatte beim Wettbewerbslabor auf die Frage der Beauftragung. In einem Punkt war man sich einig: Wer mitarbeitet, soll auch den Folgeauftrag erhalten. Das Verfasserblatt bildet das Team ab und sollte stärker gewichtet werden, auch von der öffentlichen Hand. Man sprach von einem «gentlemen’s agreement», und es wurde deutlich, dass Generalplanungsverfahren auch keine Lösung sind: Planende lassen sich nach dem Wettbewerb immer noch austauschen. Wo die Aufgabe keine interdisziplinären Teams verlangt, führen Generalplanungsverfahren also tatsächlich zu einem Aufwand und bewirken vielleicht auch eher Zweckgemeinschaften als echte Zusammenarbeit. Offen bleibt, wie Vergütungsmodelle aussehen könnten, die den Beitrag honorieren – besonders für Fachplaner*innen ohne garantierten Folgeauftrag.

Weniger fordern, mehr ermöglichen

Aus alledem ziehen wir klare Schlüsse: Wettbewerbserfolge hängen stark von der Vorbereitung ab. Gute Grundlagen, ein präzises Programm und die richtige Verfahrensart sind zentral. Fachplanung stärkt Ideen, wenn sie tatsächlich etwas beiträgt und nicht nur vorsorglich eingefordert wird. Verfahren sollen mutig sein und nur das verlangen, was beim Wettbewerb sinnvoll ist. Gefragt sind eine gemeinsame Haltung, Vertrauen und das Einhergehen von Mitarbeit mit Folgeauftrag. Fachjurys sollen sich stärker an der Programmerarbeitung beteiligen und selber einen Beitrag statt Fleissarbeit leisten. Anforderungen und Rahmenbedingungen sollen so präzise wie nötig und so offen wie möglich formuliert sein. Von Auslobenden erwarten wir mehr Qualität in der Vorbereitung, von Planenden mehr Mut zur Lücke. Unser Appell: Entwurfsintelligenz statt Systemaufladung. Denn Qualität entsteht nicht durch mehr Input, sondern durch fokussierten Input. Und ein Wettbewerb ist kein Produktentwicklungsschritt, sondern die gemeinsame Suche nach dem besten Ansatz. 

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