«Das Poizei- und Justizzentrum in Zürich ist ein Politdebakel, kein Planungsproblem», meinte Alt-Kantonsbaumeister Bitterli.

Renditezwang und Architekturwille

Qualität kontra Kosten? Darüber diskutierten heute an der Swissbau Banker, Baumeister und Architekten. Die Verantwortung für schlechte Bauten schoben sie sich gegenseitig in die Schuhe.

Stefan Bitterli, der letztes Jahr wegen Turbulenzen als Zürcher Kantonsbaumeister zurückgetreten ist, machte zu Beginn klar, dass die Kostenrechnung nicht beim Bauen aufhört. «Betrieb und Unterhalt machen ein Mehrfaches der Investitionskosten aus.» Die öffentliche Wahrnehmung beschränke sich aber meist auf die Erstellung. Bitterli nahm weiter die Politiker in die Pflicht. «Der Steuerwettbewerb hat zu einem Investitionsstau in Milliardenhöhe geführt.» Die öffentliche Hand spart und so schauen auch Private auf den Renditefranken. Doch wie steht es um die Qualität? «Diese hat in den letzten Jahren auf allen Stufen abgenommen», sagte Heiner Gossweiler vom Baumeisterverband. Den Grund dafür sieht er im knappen Planungsbudget und im steigenden Zeitdruck. Dem widersprach allerdings SIA-Präsident Stefan Cadosch. «Wir können gut schnell bauen», meinte er. Das Problem sei vielmehr die fehlende öffentliche Diskussion über Baukultur. Diese forderte er auch von den Banken und fragte Beat Röthlisberger von der UBS frank und frei: «Berücksichtigen sie eigentlich den baukulturellen Wert in ihren Berechnungen?» Doch dieser gab den Ball weiter. Baukultur sei Sache des Bauherren. Stephan Gmür von der Helvetia Versicherung wiederum sah den wunden Punkt bei den Handwerkern. «Uns fehlen die fachkundigen Bauleute.» So reichte ein Berufsstand dem andern die heisse Kartoffel Bauqualität weiter. Bei allen Zwängen um Rendite und Geschäft, dürfe man eines nicht vergessen, meinte Bitterli darum richtigerweise zum Schluss: «Wir müssen mehr wollen als bloss bauen, wir müssen Architektur schaffen.» Und diese habe eben ihren Preis.

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