Die letzte Swissbau Fokus Diskussionsrunde drehte sich ums Verdichten.

Mehr Agglo, weniger Auto

Die Schweiz wird dichter, aber wie? Eine Diskussionsrunde an der Swissbau suchte am Freitag nach Antworten.

Die letzte Swissbau Fokus Elefantenrunde drehte sich am Freitag um einen Dauerbrenner der Baubranche, das Verdichten. Dass wir konzentrierter bauen müssen, bestreitet kaum jemand nachdem das Volk RPG und Zweitwohnungsinitiative guthiess. Aber wo? Für Hans-Georg Bächtold, Generalsekretär des SIA, ist klar: «Wir brauchen mehr Stadt in der Stadt.» Man müsse bei den Menschen eben die Sehnsucht für das Urbane wecken. «Doch die meisten wollen nach wie vor ein Hüsli», entgegnete Stadtwanderer Benedikt Loderer. Da die Schweizer Raumplanung langfristig gesehen nach wie vor expansiv sei, brauche es radikalere Massnahmen – auch nach dem Ja zum RPG. Loderer plädierte für ein Landgesetz, das den Freiraum schützt, ähnlich wie dies heute der Wald ist. In der Zwischenzeit will er vor allem die Agglomeration verdichten, da sie gut erschlossen, aber noch wenig dicht sei. Der baselstädtische Regierungsrat Hans-Peter Wessels sah dies ähnlich: «Wir müssen die Stadt grösser denken.»

Neben dem Wo stand auch das Wie zur Diskussion. Loderer kann sich vorstellen, Einfamilienhäuser aufzustocken und anzubauen, die Hüsliquartiere zu verstädtern also. «Doch dazu müssen wir die Baugesetze anpassen.» Bächtold geht dies zu weit, er will lieber die Stadt nachverdichten. Und der Dichtestress? Wessels winkte ab: 1960 hätten in Basel 50'000 Personen mehr gewohnt. Lodere sprach darum von «einem klassischen Luxusproblem». Wäre die Schweiz ärmer, würden die Leute automatisch auf kleinerem Fuss leben. Doch so leicht wollte FDP-Präsident und Generalunternehmer Philipp Müller die Sorgen der Bevölkerung nicht abtun. «Wohnungssuchende in der Stadt verzweifeln», mahnte er.

Wer über mehr Volumen pro Quadratmeter redet, muss auch über weniger Kilometer pro Person sprechen. Für Wessels handelt die Politik beim Verkehr schizophren. «Wir begünstigen die Mobilität steuerlich, klagen aber über zu wenig Geld für die Infrastruktur.» Ins gleiche Horn stiess Loderer. «Über Mobilität will niemand reden.» Dabei sei die Kostenwahrheit nötig. Sogar Müller gab ihm zu seiner eigenen Überraschung recht. «Die Leute wollen nicht im Stau stehen, stimmen aber Nein zur Vignette.» So war man sich also einig: Neben dem Verschleiss der Landschaft sollte auch der Konsum der Mobilität ganz oben auf der Prioritätenliste der Politiker stehen.

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