Ein Beispiel für ein bestens integriertes Solarsystem von der 3S Webseite. Fotos: www.3s-pv.ch

Architektonisch Auf und Ab

Ein Workshop, veranstaltet von Swissolar und AEE zeigt, was die Energiewende für die Architektur bedeuten kann. Wo bitteschön bleibt die wirklich überzeugende Architektur?

«Ökologisch sensibilisierte Bauherren lechzen nach solaren Attributen.» Reto Miloni macht im Workshopraum 2 «Architektonische Betrachtungen für die Energiewende». 20 Jahre würde er nun experimentieren, so der Aarauer Architekt, jetzt seien sie da, die Produkte. Er jagt einen Bildermix aus eigenen Projekten und solchen anderer Architekten durch den Beamer. Bei seinen eigenen, saubere Sachen, unterscheidet er gern zwischen Blüte und Blätterwerk – letzteres sei die nicht sichtbare aber leistungsfähige PV-Anlage auf dem Dach, die Blüte, das seien «Schmuck-Module» an der Fassade, eben als «solares Attribut»: Ich tu was für die Zukunft, sagt das Haus. Bei der BIPV, der Gebäudeintegrierten Photovoltaik, sei der zündende Funke noch nicht gesprungen, so Miloni. Aber der Stahlbeton hätte ja auch 20 Jahre gebraucht, bis die Architekten ihn beherrschten. Bei der PV ginge die Leistung hoch und der Preis runter. Also, fragt sich der Journalist, wo bleiben die wirklich guten Beispiele?

Stattdessen folgen Abgründe: Josef Rechberger von der Österreichischen Ertex Solartechnik zeigt weltweit massgeschneiderte Anlagen: blaue Dächer, goldene Balkonbrüstungen, Riesensterne in Turkmenistan, Fassaden mit «gesiebter Optik» oder «Sonnenstrahl-Design», alles Made in Austria. Die Hölle ist, wenn alles möglich ist.

Christian Renken von 3S relativiert mit seinem MegaSlite-System: PV, Solarwärme, Dach und Dachfenster in einem. Die Elemente sind reduziert genug, um vor groben Abstürzen zu bewahren. Sie integrieren sich zum Beispiel schlüssig als Dachhaut eines alten Bauernhauses. Doch eines bleiben auch sie: eine technisch glänzende Fläche über patiniertem Mauerwerk. Solares Attribut. Und das muss man mögen.

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