Zementwerk in Untervaz (Foto: holcim.ch)

Umstrittene «Zement-Hochzeit»

Holcim und Lafarge wollen bis Mitte 2015 zum «globalen Champion» der Zementindustrie fusionieren. Ob es zum Branchengigant kommt, ist wettbewerbsrechtlicher fraglich.

Gestern wurden die schon länger kursierenden Gerüchte um eine Fusion der Zementriesen Holcim und Lafarge bestätigt. Morgens in Paris und nachmittags am Zürcher Flughafen präsentierten das Schweizer und das französische Unternehmen ihren Plan. Ab Mitte 2015 soll aus den beiden Branchengrössen ein «globaler Champion» werden – mit 135'000 Mitarbeitern, Standorten in 90 Ländern, 33 Milliarden Franken Umsatz und 6,5 Milliarden Betriebsgewinn Ebitda. Die ‹NZZ› und der ‹Tages-Anzeiger› berichten ausführlich in Artikeln, Kommentaren und Interviews vom Enthusiasmus der Konzernleitung. Die «Fusion unter Gleichen» solle Synergien im Wert von 1,7 Milliarden Franken freisetzen und zum «fortschrittlichsten Unternehmen in der Baustoff-, Zement- und Zuschlagsstoff-Industrie» führen. Die Rede ist auch von einer «Vorreiterrolle bei Innovationen, Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz sowie der Ermöglichung erschwinglicher Bauweisen». Die ‹Basler Zeitung› ist skeptisch und meint, dass die Protagonisten ihre Differenzen überspielen.
Selbstredend ruft die anvisierte Megafusion nicht nur positive Reaktionen hervor. Einerseits empfindet es Frankreich als «Schmach», dass ein «Juwel der nationalen Industrie» seine Unabhängigkeit verliert und der Hauptsitz des neuen Zementriesen in Rapperswil-Jona sein soll. Die Konzerne argumentieren aber gegen den französischen Bedeutungsverlust, heben die «effiziente Verteilung der operativen Zentren» auf beide Länder hervor und bekräftigten, dass die Werke und Mitarbeiter in Frankreich lediglich in einem «beschränkten Masse» von Massnahmen zur Kostensenkung betroffen sein werden. Wie der ‹Tages-Anzeiger› analysiert, dürfte die Franzosen zudem freuen, dass mit Bruno Lafont ein Franzose als Konzernchef vorgesehen ist.

Ein zweiter Kritikpunkt betrifft das Kartellrecht. Die Zementindustrie steht schon länger unter starker Beobachtung. Seit 2010 laufen in zehn EU-Ländern formelle Kartellverfahren gegen Holcim, Lafarge und andere Zementunternehmen, ausserdem musste Holcim in Indien eine dreistellige Millionenbusse zahlen und geriet 2011 ins Visier der Brasilianischen Justiz. Wie der ‹Tages-Anzeiger› weiss, dürfte die Marktmacht von Lafarge Holcim «insbesondere in den USA, Kanada, Brasilien und Frankreich» zu hoch sein. Doch die ‹NZZ› weiss um das proaktive Vorgehen der Fusionswilligen: Diese gehen davon aus, in 15 Gebieten mit den Behörden in Verhandlungen zu treten und insgesamt 5 bis 6 Milliarden Euro Umsatz abzustossen. Zwei Drittel der Massnahmen sollen die EU betreffen, wo die beiden Konzerne laut ‹Basler Zeitung› «am meisten Überlappungen in den Betriebsstätten aufweisen und unter grossen Überkapazitäten leiden».

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– Die RPG-Umsetzung sorgt für Gesprächsstoff. Wie die ‹NZZ› berichtet, fordern die Kantone einen «Marschhalt». Sie bräuchten Zeit zur Umsetzung und verlangen, dass in nächster Zeit keine weiteren Neuerungen in den Weg geleitet werden.

– Der Hafenkran erwacht: Das umstrittene Zürcher Kunstprojekt ist im Entstehen. Erste Teile des Rockstocker Hafenkrans wurden angeliefert, nun beginnt die «kolossale Erweckung». ‹NZZ› und ‹Tages-Anzeiger› berichten ausführlich.

– Seit elf Jahren setzt sich die Organisation Via Storia für die Erforschung und Bewirtschaftung historischer Verkehrswege ein. Nun steht sie vor dem finanziellen Aus, weiss die ‹NZZ›.

– Als Ergänzung, nicht als Konkurrenz zum Berner Inselspital, sollen die Spitäler Tiefenau und Ziegler durch ein neues Stadtspital ersetzt werden. ‹Der Bund› erläutert über die neu aufgegriffene, alte Idee.

– Laut Bankiervereinigung müssten die seit einem halben Jahr geltenden Dämpfungsmassnahmen weiter beobachtet abgewartet werden, bevor weitere Einschränkungen im Hypomarkt ergriffen würden. Wie der ‹Tages-Anzeiger› weiss, sind Finma und SNB anderer Meinung.

– «Dachterrassen statt Billigwohnungen», titelt der ‹Tages-Anzeiger› zum Vorhaben der Credit Suisse, sechs Liegenschaften am Limmatplatz zu sanieren. Am Samstag protestierten 200 Linksaktivisten gegen die «Luxussanierungen», welche die Mieten beinahe verdoppeln dürften.

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