Sind Genossenschaften die besseren Kapitalisten?

Die heutige Immobilien-Sonderbeilage der «NZZ» diskutiert Probleme der Raumentwicklung, die sich aus kleinteiligen Eigentumsverhältnissen ergeben und stellt die interessante These auf, dass freies Grundeigentum die Maximierung des Bodenwerts verhindere.

Die heutige «NZZ» enthält eine Sonderbeilage Immobilien. In einem intelligenten, durchaus kontrovers zu diskutierenden Essay bespricht Andreas Loepfe darin die von kleinteiligen Eigentumsverhältnissen und Einstimmitgkeitserfordernissen. Der Direktor des CUREM - einer eng mit der Immobilienbranche verknüpften Körperschaft der Universität Zürich - illustriert am Beispiel des Stockwerkeigentums, wie Vetorechte Einzelner mehrheitsfähige Entscheide verhindern. Dem Modell Stockwerkeigentum stellt er juristische Personen als Entscheidungsträger gegenüber, konkret nicht gemeinnützige und subventionierte Genossenschaften oder Aktiengesellschaften. Die implizierte Frage lautet: Sind Genossen bessere Kapitalverwerter?
Die Idee liesse sich auf grössere funktionale Räume, wie Häuser, Quartiere oder ganze Metropolitanräume übertragen - supranationale Organisationsformen seien denkbar. Und falls diese «bessere, demokratischere Ordnung gerade an dieser Einstimmigkeit scheitert», bräuchte es hoheitliche Instrumente und Regeln, um Eigentumsverhältnisse zu vereinfachen. Doch er Autor weiss: «Das sogenannt freie Bodeneigentum ist aber ein politisches Tabu. Bei nüchterner Betrachtung ist dies in urbanisierten Gesellschaften völlig realitätsfremd.» Bis das (Neu-)Braurecht aus Wirtschaftswunderzeiten aber einem «prozessorientierten Umbaurecht» weichen könnte, müsste der Leidensdruck in der Schweiz daher noch zunehmen. Erst dann würden Herr und Frau Schweizer ihre «Freiheit, zu verhindern» zugunsten einer «Freiheit, etwas zu erreichen» einschränken.
Neben raumtheoretischen Visionen bietet die Sonderbeilage auch allerlei Handfesteres: eine Analyse der gewandelten Wohnansprüche von werk-Chefredaktor Daniel Kurz, eine Vorstellung gemeinschaftlicher Wohnkonzepte «in den Genossenschaftshochburgen Winterthur und Zürich» und eine Analyse aus dem Hause Wüest&Partner zur Umnutzung von in der Schweiz über Bedarf vorhandenen Büroflächen zu vielerorts knappen Wohnungen.

Weitere Meldungen:


- «Der Bund» diskutiert die erfreuliche Tatsache, dass die Anzahl der Autos in Bern seit 1989 um fast 11% abgenommen hat, während sie Schweizweit um rund 46% stieg. Um den höheren Komfort für Autofahrer wettzumachen, könnten nun Parkplätze aufgehoben werden.

- Gestern wurde zum vierten Mal seit 2001 die «Auszeichnung guter Bauten im Kanton Zürich» an vorbildliche Bauherren und Architekten vergeben. Der «Tages-Anzeiger» zeigt die drei Auszeichnungen und Anerkennungen.

- Die «Basler Zeitung» berichtet im Land-Ressort über die im Fünfjahresrhythmus vergebene Auszeichnung «Gute Bauten» beider Basel. Die 34 ausgezeichneten Objekte sind nicht rangiert, dennoch gibt es einen Gewinner: Herzog & de Meuron wurden sechs Mal geehrt.

- Der Eigenheimmarkt der Schweiz hat leichtes Fieber. 38.5° hat das Immobilienbüro Iazi errechnet. «Der Bund» berichtet im Wirtschaftsteil.

- Im regionalen Kulturteil berichtet die «NZZ» über die abgeschlossenen Umbauarbeiten von Silvio Schmed und Arthur Rüegg.

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