Dominique Perrault, DC Tower, Wien 2014 Fotos: perraultarchitecte.com

«Elefantenfriedhof moderner Baukunst»

Der ‹DC Tower› von Dominique Perrault ist das neue höchste Haus Österreichs. Ulf Meyer bespricht in der ‹NZZ› den Bau in der Wiener Donau-City. Sein Urteil: Perraults abstrakte Architektur kann das «städtebauliche Stiefkind» nicht retten.

Die Donau-City hat eine vergleichsweise junge Geschichte. Erst in den 1870ern wurde die Donau regulaiert, 1964 begann mit der Gartenschau die Bebauung der Auen. 1979 baute man die UNO-City, die laut Ulf Meyer «einen unguten städtebaulichen Grossmassstab für die weitere Entwicklung der Donau-City» gab. In der ‹NZZ› erklärt er den Bau des vor wenigen Tagen fertig gestellten ‹DC Tower› von Dominique Perrault als verzweifelten Versuch der Wiener Entwicklungsgesellschaft für den Donauraum (WED), sich ins Gespräch zu bringen.
Vor 12 Jahren hatte Dominique Perrault den Wettbewerb gewonnen. Mit einem Hochhauspaar, dass wirkt «als hätte ein Titan einen schwarzen Würfel der Länge nach zerschnitten und auseinandergezogen». Der zweite Turm bleibt nun aber aus und auch sonst erklärt Meyer, dass Perraults Architektur durchaus mit Vorsicht zu geniessen sei. Bei seinen Werken handle es sich «stets um grosse, auf einfachen Geometrien basierende Formen, die als städtebauliche Superzeichen in Erscheinung treten» und fährt fort: «Im Idealfall strotzen sie vor Kraft, Klarheit und Abstraktion. Die weniger gelungenen Gebäude aber stehen in der Stadt herum wie Hinkelsteine».
Ob der ‹DC Tower› für den Autor nun ein Hinkelstein ist oder nicht, verschweigt er. Jedoch macht er klar, dass er vom «urbanistisch ungelenken Agieren des Architekten» enttäuscht sei und der Freiraum misslungen sei. Und in jedem Falle sei der bislang zu weiten Teilen unvermietete Turm nicht die von Perrault angepriesene «vertikale Stadt», denn 16 Wohnungen brächten zu wenige Einwohner. Die Wiener Donau-City bestätige damit einmal mehr, dass sie «weniger ein funktionierender Stadtteil Wiens als vielmehr ein Elefantenfriedhof der modernen Baukunst ist.»

Weitere Meldungen:


– «Reparieren statt neu kaufen»: Die ‹Basler Zeitung› stellt die Werkstätten ‹Reparaturland› und ‹ReparierBar› vor. Hier wird in der Stadt Basel entweder repariert, was sonst niemand macht oder man trifft sich samstags bei Kaffee und Kuchen, um mit vereintem Wissen das Problem zu lösen und der Wegwerfgesellschaft zu trotzen.

– Kritik am Berner Bauinspektorat: Wie ‹Der Bund› berichtet, waren 574 Baugesuche Ende 2013 hängig. «Bauherren und Architekten mucken auf, die Stadt führt ins Feld, dass viele Gesuche unvollständig seien.»

– «Die Welt der Mechanik für immer verändern»: Die ETH Zürich und die EMPA haben laut ‹NZZ› ein Material vorgestellt, das einerseits Schwingungen dämpft, andererseits gezielt spezielle Frequenzen weiterleitet.

– «Gegen den Trend im Wohnungsbau», titelt der ‹Tages-Anzeiger› über die Ersatzneubauten Entlisberg II und III, mit denen die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ) für 600 statt bisher 350 Personen Wohnraum schaffen möchte. Um das Ziel zu erreichen, baut sie kleine Räume und vor allem 2,5­ bis 4,5­Zimmer­Wohnungen.

– Pompeji bedroht: Wie die ‹Basler Zeitung› meldet, stürzen nach starken Unwettern Gebäude in der UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte ein. «Die lokalen, regionalen und nationalen Behörden müssen mehr tun», sagt EU-Kulturkommissarin Androulla Vassiliou.

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