Die zweite Gotthardröhre kommt

Der Nationalrat stimmte gestern dem Bau eines zweiten Gotthard-Strassentunnel zu. Dass ab 2030 beide Tunnel bloss einspurig befahren würden, glauben weder die Zeitungen noch die Gegner. Der kleine Alpenschutz-Artikel könne dem Druck der Autofahrer und aus der EU langfristig kaum standhalten und es sei unwahrscheinlich, dass keine Kapazitätsausweitung folge. SP, Grüne und Grünliberale werden Unterschriften für einen Volksentscheid sammeln.

Als «Pflichtsieg im Parlament» bezeichnet der ‹Tags-Anzeiger› den gestrigen Entscheid des Nationalrats für den Bau des zweiten Gotthard-Strassentunnels. Wie die ‹Basler Zeitung› berichtet, ist das Referendum von SP, Grünen und Grünliberalen aber bereits beschlossen. Die Befürworter erklären, dass ein zweiter Tunnel während der anstehenden Sanierung des Tunnels aus den Achtzigerjahren für einen ungestörten Betrieb sorgen wird und nachher aufgrund eines Alpenschutzartikels beide Tunnel bloss einspurig befahren würden. «Die Schweiz wird dem Druck aus den EU-Ländern nicht standhalten», prophezeit Edit Graf-Litscher (SP) im ‹Tages-Anzeiger› und auch die ‹Basler Zeitung› kommentiert, es sei absehbar, «dass schon nach den ersten Staumeldungen zu Ferienbeginn der Ruf zur zeitlich begrenzten Öffnung aller vier Spuren laut werden wird.» Sie fragt: «Wer baut schon ein zweistöckiges Haus und schreibt dann gesetzlich vor, dass nur eine Etage bewohnt werden darf?» Ähnlich beurteilt die Lage ein weiterer Kommentar im ‹Tages-Anzeiger›. Er schenkt dem Verweis auf diesen «einzigen, kleinen Gesetztesartikel», laut dem nur eine Fahrspur pro Röhre betrieben werden soll, wenig Glauben. Das Versprechen käme schliesslich «von Frauen und Männern, die ihre Tage damit verbringen, Gesetzesartikel umzuschreiben.»

Weitere Meldungen:


– «Stadtbalkon» heisst das Projekt für eine grosse Gartenpromenade vom Zürcher Kunsthaus bis zur Polyterrasse, womöglich mit Rolltreppen zum Central. Die Stadt sieht touristisches Potenzial im Rahmen der Neugestaltung des Univiertels und Baudirektor Markus Kägi attestiert der Vision «gute Realisierungschancen». Laut ‹Tages-Anzeiger› dürften aber noch ein paar Jahre vergehen, bis sie Realität wird.

– Die ‹NZZ› hat Luigi Snozzis bislang grösstes Gebäude bestaunt, den Sitz des kantonalen Bau- und Umweltamtes in Bellinzona. Auf zwanzig schweren Pfeilern ruhend erinnere dieser an die späten Betonbauten Le Corbusiers, die Klarheit des aquariumartigen Eingangsbereichs liesse an Mies van der Rohe denken.

– Die Organisation Memoriav hat passend zum Jubiläum vielerlei im Rahmen der Expo 64 entstandene Filme restauriert und einen halbstündigen Trailer hergestellt. Die ‹Basler Zeitung› berichtet.

– Seit das ehemals besetzte Zürcher Labitzke-Areal im August geräumt wurde, lässt es die Eigentümerin rund um die Uhr überwachen. Wie die ‹NZZ› berichtet, kam es bislang zu zwei Attacken auf das Gelände.

– Die koreanische Megacity Seoul setzt mit der «Seoul Architecture Proclamation» anspruchsvolle Ziele. Laut ‹NZZ› sollen statt Abrisswut, Wildwuchs und Verdichtung bald Geschichte und Natur in der Stadt erlebbar werden.

– Gemeinden und SBB tun viel gegen die Parkplatzprobleme von Velofahrern rund um die Bahnhöfe. Laut ‹NZZ› wird das Angebot mit «Parkhäusern» erweitert, umgekehrt wollen die Städte auf Trottoirs abstellte Velos künftig stärker büssen.

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