The Chedi und Chedi Residenzen, Andermatt Fotos: PD

Der «Chedi-Effekt»: Ein Schuss nach hinten?

Für die «Woz» ist das Chedi ein Hochrisikoprojekt im gesättigten Wintertourismus.


Mehr Steuern als im Vorjahr und mehr Übernachtungen. In Andermatt spricht man in Anlehnung an das Fünf-Sterne-Superior-Hotel The Chedi deshalb gerne von einem «Chedi-Effekt». Nun fragt sich ‹Die Wochenzeitung›, ob die Freude verfrüht ist und macht eine Auslegeordnung zum Swiss-Alps-Resort und der ‹Skiarena Andermatt-Sedrun›. Damit Luxushotel und -appartmenthäuser das angemessene Skigebiet erhalten, beginnt diesen Sommer die erste Ausbauetappe mit zwölf Sportbahnen für 130 Millionen Franken. Davon zahlen die Kantone Uri und Graubünden 8 Millionen à fonds perdu, 40 Millionen kommen aus einem zinsgünstigen Bundesdarlehen. Nachdem Ex-Bundesrat Christoph Blocher das Resort von den Restriktionen der Lex Koller befreite, sei dies «nicht das erste Mal, dass der Staat dem Investor den roten Teppich ausrollt».
Doch während sich die Gemeinde und der Kanton Uri freuen, gibt es auch Bedenken. Die Tourismusberatungsfirma Grischconsulta hält die geplante Steigerung von 354'000 auf 600'000 Skiertage (Zahl der Tage, die Skifahrer auf den Pisten verbringen) für ein grosses Risiko, «denn der alpine Wintertourismus operiert in einem gesättigten Marktumfeld». Auch die Umweltorganisation Mountain Wilderness macht «Überkapazitäten» aus. Alle sind sich einig: Nicht Tagestouristen, sondern warme Betten  entscheiden über den Erfolg des Megaprojekts. Ex-FDP-Nationalrat Franz Steinegger ist skeptisch: «Die Appartements im Resort sind vor allem Kapitalanlagen, sie sind also kaum dauerbewohnt. Man kann nicht damit rechnen, dass die Appartementbesitzer die Bahnen aus dem Dreck ziehen. Weil aber die Betriebskosten erfahrungsgemäss sehr hoch sind, könnte die öffentliche Hand in Schwierigkeiten geraten.»

Weitere Meldungen:


– «Wenn ein grosser Wurf auf Kleingeist trifft», meint der ‹Tages-Anzeiger› angesichts eines Informationsanlasses, bei dem die Pläne für das Zürcher Hochschulquartier bis 2040 den Anwohnern vorgestellt wurden.

– «Wie ökologisch ist die Verkehrswende?», fragt der ‹Tages-Anzeiger› und meint: Dass der Bundesrat den Verkehr mit Mobility-Pricing intelligenter lenken will, «muss nicht zum Vorteil der Umwelt sein».

– Bücher zur Natur: ‹Die Wochenzeitung› bespricht das überarbeitete Standardwerk ‹Die Alpen› von Werner Bätzing und seine neue Streitschrift ‹Zwischen Wildnis und Freizeitpark› sowie den Bildband ‹Naturerbe der Schweiz›, der zeige, was es zu verlieren gibt, «in einer Zeit, in der die Energielobby am Schutz der BLN-Gebiete kratzt».

– Martin Killias wird Präsident des Zücher Heimatschutzes: Der Strafrechtsprofessor tritt die Nachfolge von Thomas Müller an. Die ‹NZZ› und der ‹Tages-Anzeiger› berichten.

– ‹Die Weltwoche› schiesst gegen das Kulturschaffen: «Erfolgreich erfolglos» titelt sie über die nur dank aggressiverem Lobbying als von Banken und Versicherungen angenommene Kulturbotschaft 2016 bis 2020. Unter dem Titel «Kunst aus alten Socken» zieht sie Bilanz zum Toni-Areal, dem vor einem Jahr von den Zürcher Kunststudenten bezogenen «Luxusbau», wo die Diplomausstellung keine gewagten Arbeiten zeige und jede Kulturvermittlung ausbliebe.

– Die modernste Energiezentrale der Schweiz: Im Wirtschaftsteil stellt ‹Der Bund› ein Vorzeige-Hybridwerk in Zuchwil vor, das ab Ende Juni Solarstrom zu Erdgas macht.

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