«Auf einer räumlichen Ebene funktioniert die klare Trennung zwischen Stadt und Land immer weniger». Im Bild Wallisellen bei Zürich. Fotos: Christof Plümacher

«Der Agglo fehlt das Selbstverständnis»

Philippe Koch erklärt den Stadt–Land–Konflikt im «Tagi» für überbewertet. Ausserdem in der Presse: Harry Guggers Wohnturm in Birsfelden, Trendwende am Wohnungsmarkt und die Konventionen des Computerspiels.

«Auf einer räumlichen Ebene funktioniert die klare Trennung zwischen Stadt und Land immer weniger», sagt der Urbanist und ZHAW-Professor Philippe Koch im Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Trotzdem werde versucht, damit Politik zu betreiben. «Wir sollten davon wegkommen, alles auf Stadt und Land zu reduzieren. Das Bundesamt für Statistik hat 25 verschiedene Gemeindetypen identifiziert. Damit könnte man anfangen», sagt Koch. Das Problem für die Politik sei, «dass die Agglomeration kein eigenständiger politischer Akteur ist. Einerseits auf der materiellen Ebene: Ihre Einwohner haben keine politische Einheit – etwa einen Kanton –, die sie repräsentiert. Andererseits auf der symbolischen Ebene: Die Agglo hat halt kein Gesicht, weil sie so heterogen ist.» Der Agglo fehl das Selbstverständnis. «Man müsste sich stärker mit den Agglomerationen beschäftigen, mit ihrem Wandel, ihrem Wahlverhalten und politischen Profil. Es gibt ausserdem praktisch keine Belletristik, Filme, wenig künstlerische Auseinandersetzung mit den Agglomerationen. Darum wird die Agglomeration sinnlich kaum wahrgenommen. Man fährt einfach entlang der Gleise durch», schliesst Philippe Koch. 

Weitere Meldungen:

– «Dieser Turm soll Reiche in die ärmste Baselbieter Gemeinde locken»: Am 27. September stimmt Birsfelden über die Quartierplanung für den geplanten Wohnturm von Harry Gugger Studio ab. Die «Basler Zeitung» berichtet.

– «Vom Traum, der nie Realität wurde»: Die neue Publikation «Kurhaus Bergün – Der Traum vom Grand Hotel» beleuchtet die wechselhafte, teils dramatische Geschichte des touristischen Leitbetriebs im oberen Albulatal. Die «Südostschweiz» berichtet.

– «Trendwende am Schweizer Wohnungsmarkt»: Der hohe Leerstand bei den Mietwohnungen nimmt erstmals seit zwölf Jahren ab – nicht nur wegen Corona. Die «NZZ» berichtet.

– «Eine gut versteckte Wohnung über dem Gubristtunnel»: Über dem Tunnelportal bei Weiningen existiert eine alte Kommandozentrale - mit Schlafraum, Küche und Sofaecke. Der «Tages-Anzeiger» hat sich umgesehen.

– «Sex, Gender - und was daraus geworden ist»: Das Haus der elektronischen Künste hinterfragt die Konventionen des Computerspiels. In der Ausstellung «Radical Gaming» gehen Künstler an die technischen und erotischen Grenzen des Mediums. Die «Basler Zeitung» berichtet.

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Kommentare

Andreas Konrad 14.09.2021 22:12
« wenig künstlerische Auseinandersetzung mit den Agglomerationen . » . Wie auch. In der brutalstmöglichen Art, der investorenfreundlichen « Nachkriegsmoderne » ,hat man trostlose Kisten , gesichtslos und unzusammenhängend, hingepflanzt.Ein Pflatsch, der sich von St. Gallen bis in die Waadt zieht. Die feine, althergebrachte Stadtgestaltung wurde über Bord geschmissen, das Weissmodell als falsches Planmittel hingestellt. Fassaden? Fussgängerperspektive? Kein Programm in der verkopften Logik der altvorderen Planer von damals und heute. Sorgfältige Verdichtung, klassische Platz- und Strassengestaltung tut not. Das haben andere Länder längst erkannt. Die Schweiz hinkt hier, wie so gerne und oft, noch ziemlich hinterher.
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