Die Expo 1964 in Lausanne mit dem Autobahnabschnitt, den der VCS zu einem Boulevard umgestalten möchte. In der Bildmitte der Giratoire de la Maladière. Fotos: Comet Photo (ETH Zürich, Bildarchiv)

Boulevard statt Autobahn in Lausanne?

In der Westschweiz gerät der Autoverkehr unter Druck. In Lausanne will der VCS ein Stück der ältesten Autobahn der Schweiz zu einem Boulevard umbauen, in Genf plant die Stadt einen autofreien Bahnhofplatz.

Pünktlich zur Eröffnung der Expo in Lausanne nahm die Schweiz 1964 ihren ersten längeren Autobahnabschnitt in Betrieb. Das sechzig Kilometer lange, von Genf herkommende Teilstück mündete beim Kreisel Giratoire de la Maladière, quasi der Nabel des Expo-Geländes, ins städtische Strassennetz.
Am Dienstag reichte die Waadtländer Sektion des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS) im Lausanner Gemeinderat eine Interpellation ein, die das Ziel hat, den Autobahnabschnitt Ecublens–Maladière – heut ein Rückgrat der Agglomeration Ouest Lausannois – zu einem städtischen Boulevard umzugestalten. «Das ist eine Idee, die in der Politik seit dreissig Jahren evaluiert wird», hält David Raedler, Präsident des VCS Waadt und Gemeinderat der Grünen, gegenüber der Zeitung ‹24heures› fest. Er kündigt analoge Vorstösse in anderen Gemeinden des Lausanner Westens und im Grossen Rat des Kantons Waadt an.


Mit dieser Idee stellt sich der VCS den Plänen des Bundes diametral entgegen: Ende 2018 schickte dieser ein Projekt in die Vernehmlassung, die im Gegenteil einen Ausbau des seines Strassennetzes im Lausanner Westen vorsieht. Am 25. Februar organisiert der VCS an der Universität Lausanne einen Runden Tisch, an dem auch Jörg Röthlisberger, Direktor des Bundesamts für Strassen (ASTRA) und die Waadtländer Staatsrätin Nuria Gorrite teilnehmen.

 

Weitere Meldungen:
– Ebenfalls aus der Westschweiz und ebenfalls zum Thema Verkehr: Im Hinblick auf den Ausbau ihres Hauptbahnhofs Gare de Cornavin (zwei neue unterirdische Gleise) will die Stadt Genf die Umgebung des Bahnhofs komplett umgestalten, schreibt die ‹Tribune de Genève›. Die Place de Cornavin und die Place de Montbrillant auf beiden Seiten des Bahnhofs sollen komplett autofrei und fussgängerfreundlich umgestaltet werden. Die Taxis verschwinden im bestehenden Parkhaus unter der Place de Cornavin, wo auch 2500 Veloabstellplätze vorgesehen sind. Die Vernehmlassung zum Quartierplan läuft noch bis zum 26. Februar.

– Aller guter Dinge sind drei, darum nochmals eine Meldung aus dem Ressort Verkehr, diesmal aus der ‹Neuen Zürcher Zeitung›. Sie berichtet über die Probleme bei den italienischen Autobahnen: Die privaten Betreiber würden beim Unterhalt sparen, die staatliche Kontrolle schlampen. Der Einsturz der Morandi-Brücke in Genua 2018 war nicht das einzige Ereignis dieses Systemversagens, aber das spektakulärste.

Auch in der ‹NZZ›: Anlässlich des geplanten Verkaufs des Einkaufszentrums Glatt durch die Migros berichtet die Zeitung aus dem erfolgreichsten Shoppingcenter der Schweiz. Weshalb will die Migros das nach wie vor umsatzstärkste Einkaufszentrum loswerden? Vielleicht, weil die Immobilie jetzt noch einen Erlös von mehreren hundert Millionen Franken bringen könnte? Denn die einstige Boombranche ist heute von Zukunftsängsten geplagt. Die ‹NZZ› macht einen Rundgang mit Rageth Clavadetscher, dem Leiter des Glattzentrums, und unterhält sich mit Besucherinnen und Besuchern.

– Im Untergeschoss des Alpinen Museums in Bern öffnet morgen das ‹Fundbüro für Erinnerungen› seine Türen. Für 900’000 Franken baute das Museum das ehemalige Sammlungsdepot in einen Ausstellungsraum um. Skifahren ist das erste Thema des interaktiven Projekts, wie der ‹Bund› berichtet. Zu sehen sind unter vielem Anderem SKA- und Ovomaltine-Mützen, Marie Theres Nadigs ‹Goldski› und die mit drei Bindungen versehenen Skis des ‹Trio Skiern Kehrli Brothers› aus den 1970er-Jahren.

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