«Billigwohnen für Millionäre»

Die «Weltwoche» nimmt die Vergabepraxis von gemeinnützigen Wohnungen in Zürich unter Beschuss. Sie präsentiert präsentiert stossende Einzelfälle und dahinter stehende Strukturen. Finanzdirektor Daniel Leupi (Grüne) verteidigt das Gesamtsystem, doch prüft die Stadt Verbesserungsmöglichkeiten. Wie die «NZZ» berichtet, wurde ein Postulat der FDP betreffend der Vergabeverordnung abgelehnt.

«Bis jetzt zählt tatsächlich nur die Situation bei Wohnantritt. Da gibt es einen gewissen Handlungsbedarf.» So zitiert die «Weltwoche» in ihrer heutigen Ausgabe den Stadtzürcher Finanzdirektor Daniel Leupi (Grüne) zur Vergabepraxis von gemeinnützigen Wohnungen durch die Stadt. Die Aussage des Artikels: Die Falschen wohnen in günstigen Wohnungen. Der schlagende Titel: «Billigwohnen für Millionäre».
An Beispielen mangelt es dem Text nicht. Das extremste ist die Stadtzürcher SVP-Gemeinderätin Hedy Schlatter, die 2011 knapp sieben Millionen Franken Vermögen und ein Einkommen von 212'700 Franken versteuerte. Meist wohnt sie in ihrer Villa im steuergünstigen Uster, belegt aber daneben eine Stadtwohnung mit drei Zimmern und Seesicht für 1'600 Franken. Angesichts der stossenden Beispiele spricht Daniel Leupi von «Einzelfällen» und verteidigt die Stadt: «Das Gesamtsystem funktioniert.»
Dies stellt der Weltwoche-Autor in Frage und kritisiert vor allem die Vergabe der 40'000 Genossenschaftswohnungen in Zürich, die mit günstigem Land «versteckt» subventioniert würden. Das Median-Einkommen der Bewohner sei höher als bei Nichtgenossenschaftern und eine Studie von Stadt und Genossenschaften zeige, dass «nicht nur vermögende Personen, sondern auch Arme» schwach vertreten seien. Zehn Prozent weniger Ausländer, halb soviele Ausländer mit C-Bewilligung wie ausserhalb. Der Autor folgert: «Wenn gemeinnützig draufsteht, muss das nicht bedeuten, dass tatsächlich die profitieren, die es nötig haben.»

Die «NZZ» meldet aus einer Sitzung des Gemeinderats. Die Aussage dieses Artikels: Das Thema ist aktuell und wird behandelt. Der ungleich zahmere Titel: «Schwierige Definition von Fairness». Ein Postulat der FDP fordert, die Verordnung für die Vergabe städtischer Wohnungen zu überarbeiten. Wenn Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Mieter nicht länger die Vorgaben erfüllen, solle die Miete schrittweise steigen. Alternativ könne auch «die Mietpartei motiviert werden, eine neue Wohnung zu suchen». SP und AL forderten, an der Kostenmiete festzuhalten, grosse Wohnungen an Familien zu vergeben und ein Verbot von Nutzungen als Zweitwohnungen zu prüfen. Das FDP-Postulat wurde «nach einem Patt von 58 zu 58 Stimmen per Stichentscheid des Ratspräsidenten abgelehnt». Die Verordnung wird trotzdem überarbeitet.

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– Technologie- und Innovationspark in Zug: Bis 2020 will der Haushaltgerätehersteller V-Zug seinen Produktionsstandort in ein dynamisches Quartier verwandeln. Die «NZZ» berichtet über das städtebauliche Projekt von Hosoya Schaefer Architects aus Zürich.

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– «Eine farbige Stadt für alle», fordern Mieter und Besetzer auf dem Labitzke-Areal. Eine ausführliche Reportage in der «Wochenzeitung» erläutert die Geschichte des Areals und die Lebensvorstellungen der jetzigen Bewohner.

– Scharf kritisiert «Die Weltwoche» die Fabi-Initiative. Der Berner Tiefenbahnhof für ein «Regionalbähnchen» sei mit 520 Millionen unverhältnismässig teuer. «Der Berner Filz am Werk» ignoriere kritische Expertenmeinungen. «Wer's glaubt, zahlt», urteilt der themenverwandte Kommentar.

– Acht Monate lang bespielen Fotografen das Zürcher «Haus zur Bastei». Die «NZZ» erklärt: «Ein umtriebiger Immobilienmanager und ein leidenschaftlicher Fotografie­Förderer und Kurator» stehen hinter dem Projekt namens «Photobastei».

– «Das unerreichbare Ziel», titelt die «Basler Zeitung» auf der Front anlässlich von elf an der Swissbau vorgestellten Pilotprojekten für die 2000-Watt-Gesellschaft. Sie präsentiert die alte Mühle in Sissach als Vorzeigeobjekt mit «Energie-Asketen» als Mieter.

– «Hohe Klimaziele sind zu schaffen», titelt die «NZZ» über einen Bericht des Bundesrats. Dieser macht das grösste CO2-Sparpotenzial bei Verkehr und Gebäuden aus. Wollte die Schweiz ihre Pflicht übertreffen und das 2-Grad-Ziel erreichen, müsste sie bis 2050 um 80 Prozent reduzieren, was Instrumente mit «hoher Eingriffstiefe» erfordere.

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