Baubranche ohne Vertrag?

Die ‹Weltwoche› kritisiert den Streit zwischen Baumeistern und Gewerkschaften mit dem Hauptstreitpunkt Frühpensionierungen. Bis Ende Jahr müssen sie sich einigen. Ausserdem in der Presse: Die Bauhaus-Ausstellung im Vitra-Design Museum, der rostige Paragraf zum Hafenkran und Sittens Traum von einer Stadt-Seilbahn.

Ende Jahr läuft der Anfang 2013 zwischen Baumeisterverband und Unia/Syna abgeschlossene Landesmantelvertrag aus. Zwar wollen gemäss ‹Weltwoche› beide Seiten einen vertragslosen Zustand verhindern, doch würde «verbissener als bei früheren Verhandlungsrunden» über Basislohn, 13. Monatslohn, Ferien, Krankentaggeld und Sicherheit auf dem Bau debattiert – «aber der Hauptstreitpunkt sind die Regelungen zur vorzeitigen Pensionierung». 2003 richtete die Baubranche – überzeugt, ältere Leute sollten die harte körperliche Arbeit vor dem regulären Pensionsalter aufgeben können – eine Stiftung ein, die das Rentenalter ab 60 Jahren ermöglicht. Dieses «Fünf-Jahres-Fenster» ist eine «isolierte Branchenlösung» und wird zu 80 Prozent von Arbeitgebern und zu 20 Prozent von Arbeitnehmern finanziert. Nun droht die Stifung in Unterdeckung zu geraten. Bald kommen auch in der Baubranche die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter. Wie weiter? Die Gewerkschaften fordern höhere Beiträge primär durch die Baumeister, die ihrerseits weniger Leistungen oder eine Erhöhung des Bezugsalters auf 61 oder 62 Jahren fordern.

Sollten die Gewerkschaften den Verhandlungskampf gewinnen, sieht das liberale Blatt rot: Einerseits würden die «Arbeitskosten der Baubranche zunehmen», vor allem aber wäre dies «das Signal, dass eine Erhöhung der Lebensarbeitszeit im Dialog der Sozialpartner keine Chance hat. So etwas wäre Gift für die bevorstehende Diskussion im Parlament über eine Erhöhung des allgemeinen Pensions­ Referenzalters». Das Argument, diese Abmachung sei nicht politisch, sondern Privatsache der Sozialpartner, lässt die ‹Weltwoche› nicht gelten. Und weil keine Wettberbsbehörde über die Beschlüsse wache, die faktisch Rechtskraft hätten, sei «ein vertragsloser Zustand in der Baubranche einen Versuch wert».

Weitere Meldungen:


– «Das Bauhaus - alles ist Design», heisst die neue Ausstellung im Vitra-Design-Museum in Weil am Rhein. Die ‹NZZ› widmet der Ausstellung eine ganze Feuilleton-Seite.

– Schon bald übertrumpft Roche den eigenen Turm. Schallschutzfenster und Mietanteile zahlt der Pharmakonzern von Baulärm betroffenen Anwohnern. In der ‹Basler Zeitung› fordern Linke, Junge und Grünem mehr als die obligate Mehrwertabgabe: Beiträge zu zusätzliche ÖV-Erschliessung und die Verbreiterung der angrenzenden Solitude-Promenade.

– «Der Hafenkran bekommt ein Denkmal», frotzelt die ‹NZZ› über den vom Stadtzürcher Gemeinderat verabschiedeten Passus, «dass in städtischen Kernzonen künftig keine zweckentfremdete marine Infrastruktur mehr montiert werden darf». Auch der ‹Tages-Anzeiger› amüsiert sich über den «rostigen Paragrafen».

– Die Stadt Bern wird bis 2018 etwa 15'000 Fenster von Wohnhäusern saniert haben. Laut ‹Der Bund› erfüllt sie dann Bundesvorgaben und muss keine Entschädigungen zahlen.

– «Sitten träumt von einer Stadt-Seilbahn», titelt die ‹NZZ›. Die Walliser Hauptstadt möchte dank Anschluss zum Skigebiet «4 Vallées» zur Tourismusdestination werden.


– Der «TBA-Turm» hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Der ‹Tages-Anzeiger› erzählt die Geschichte der Kunst am Bau auf der Technischen Berufsschule Zürich: erst Aussichtsturm nach einer Suchow-Konstruktion, dann Raucherlounge der Schüler, nun abgesperrtes Kunstobjekt.

– Im Atlasgebirge wird das «grösste Solarkraftwerk seiner Art eröffnet». Marokko will laut ‹Die Wochenzeitung› zum Industriestaat werden und zur «neuen solaren Supermacht».


– Unter dem Titel «Den Lebensraum gestalten lernen» macht ETH-Professor Bernd Scholl als «Gastkommentar» in der ‹NZZ› ungeniert Werbung für raumplanerische Studiengänge, die neben klassischer Wissensvermittlung auch praktische Prozessstudien böten.

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