Das Koch Quartier in Zürich wächst. Fotos: kochquartier.ch

Zürcher Planungs-Kakophonie II

Stefan Kurath kommentiert die politischen Wirren rund um die neuen Hochhausrichtlinien der Stadt Zürich. Damit möchte der Architekt und Urbanist politischem Aktivismus Realismus hinzufügen.

Die Stadt ist gebaut. Wir müssen in ihr weiterbauen. Es hat zu wenig Wohnungen. Die Preise steigen und steigen. Die bestehende BZO bietet theoretisch genügend Reserven für einen Zuwachs an Wohnraum. Man müsste einen Grossteil der Gebäude um ein Geschoss aufstocken, um diese Reserven zu aktivieren. Das bringt den Bestand flächendeckend unter Druck. Leerkündigung, Aufstocken, Strangsanieren. Höhere Mieten. Natürlich geht das auch ohne Kündigungen. Ein Jahr Dreck und Staub und Lärm. Höhere Mieten. Alternativ macht eine punktuelle Mehrausnutzung mehr Sinn im Bestand. Zweihundert Wohnungen. Auf den Punkt gebracht. So viel, wie zehn Zeilenbauten um zwei Geschosse aufgestockt. Man rechne und skaliere: Ein hohes Haus entlastet acht Zeilenbauten und doppelt so viele Punktbauten vor dem Verdichtungsdruck. Vier hohe Häuser entlasten bereits ein ganzes Quartier. Es ist immer gut, Optionen zur Hand zu haben. Das ist kein Rezept. Das ist Städtebau. Die Aufgabe des Städtebaus ist es, Regeln für eine offene, diverse, vielseitige, vielschichtige, sozialverträgliche, klimangepasste, ressourcenoptimierte, CO2-neutrale, klimaverträgliche Stadt und damit Gesellschaft zu formulieren. Damit nicht die Freiheiten der einen auf Kosten anderer ausgelebt werden. Dazu braucht es Richtlinien. Dazu gehören neben der Regelbauweise auch Sonderrichtlinien für die Planung und Beurteilung von Hochhausprojekten. Sie sind nicht neu. Sie sind in den letzten sieben (!) Jahren überarbeitet worden. In diesen Richtlinien sind farbige Flächen ausgewiesen, in denen es möglich ist, sich über den Bau eines hohen Hauses Gedanken zu machen. Weder besagen die Richtlinien, dass Hochhäuser gebaut werden müssen. Noch weniger besagen die Richtlinien, dass flächendeckend Hochhäuser erstellt werden können. Das ist Humbug. Man muss halt schon noch weiterlesen. Denn wichtiger sind die Kriterien, um ...
Zürcher Planungs-Kakophonie II

Stefan Kurath kommentiert die politischen Wirren rund um die neuen Hochhausrichtlinien der Stadt Zürich. Damit möchte der Architekt und Urbanist politischem Aktivismus Realismus hinzufügen.

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