New Zurich: Stadtgründung per 2030 angekündigt

Die 14 Gemeinden der Flughafenregion Zürich geben ihre Fusion per 1. Januar 2030 bekannt. Carmen Walker Späh übernimmt als City Managerin. Markus Schaefer koordiniert die Testplanung.

Die 14 Gemeinden der Flughafenregion Zürich geben ihre Fusion per 1. Januar 2030 bekannt. Carmen Walker Späh übernimmt als City Managerin. Markus Schaefer koordiniert die Testplanung.

Am 31. März im Konferenzsaal des ‹The Circle›: Gemeinsam geben 14 Gemeindepräsident*innen bekannt, womit niemand gerechnet hatte – die Flughafenregion Zürich (FRZ) wird eine Stadt. Per 1. Januar 2030 fusionieren die 14 Gemeinden von Bülach bis Volketswil zu ‹New Zurich›. Mit 250'000 Einwohner*innen auf rund 120 Quadratkilometern wird die neue Stadt zur flächenmässig grössten und nach Einwohnerzahl zweitgrössten Stadt der Schweiz.

André Ingold, FRZ-Präsident und Stadtpräsident von Dübendorf erklärt: Was im vergangenen Sommer unter dem Schlagwort «New Zurich» als Standortmarketing- und Kommunikationskampagne lanciert worden war – konzipiert vom Berater Thomas Sevcik —, habe eine eigene politische Dynamik entfaltet. Die Frage, wer Infrastrukturen finanziert, wer über Zonenordnungen entscheidet und wer gegenüber dem Kanton als Ansprechpartner auftritt, habe die Gemeinden letztlich zu einem konsequenten Schritt bewegt.

Die Vision der neuen Stadt ist klar: Frustriert über die seit rund dreissig Jahren Rot-Grün-dominierte Limmatstadt soll eine Alternative mit anderem Lebensgefühl entstehen. SVP-Kantonsrat Patrick Walder umreisst es so: Tempo 50 auf Hauptverkehrsachsen, genügend Parkplätze und Fliegen ohne Scham (siehe ‹NZZ am Sonntag›).

Nach ihrer Demission als Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin übernimmt FDP-Politikerin Carmen Walker Späh ein zweijähriges Vorbereitungsmandat als erste City Managerin. (Foto: fdp-zh.ch)

Walker Späh übernimmt das Vorbereitungsmandat

Als erste «City Managerin» von New Zurich wurde Carmen Walker Späh designiert. Vor wenigen Tagen hatte die amtierende Zürcher Regierungsrätin und Vorsteherin der Volkswirtschaftsdirektion öffentlich gemacht, dass sie Ende Frühling 2027 nicht mehr zur Wiederwahl antreten wird (siehe ‹Tages-Anzeiger›). Nun wird sie unmittelbar nach ihrer Demission ein zweijähriges Vorbereitungsmandat antreten. Über ihr Büro liess sie ausrichten, sie freue sich auf die Arbeiten in der schlank aufgestellten und wachstumsorientierten neuen Stadt.

Die Besetzung scheint perfekt: Als Verwaltungsrätin der Flughafen Zürich AG und Präsidentin des Stiftungsrats der Standortförderung ‹Greater Zurich Area› kennt Walker Späh die Region und ihre Akteure wie kaum jemand sonst. Das Modell der City Managerin ist dabei bewusst gewählt: keine Volkswahl, keine Parteiproporz, sondern eine exekutive Führungsfigur, verantwortlich gegenüber einem Stadtrat, der sich aus den bisherigen Gemeindepräsidien zusammensetzt — vorläufig: Bis 2032 sollen demokratische Strukturen erarbeitet werden.

2011 proklamierte die ‹Gruppe Krokodil› eine Glatttalstadt. Nun sitzt Mathias Müller (EM2N) in der städtebaulichen Begleitgruppe der Testplanung. Markus Schaefer von Hosoya Schaefer leitet diese. (Karte: Gruppe Krokodil)

Markus Schäfer und Mathias Müller begleiten Testplanung

Parallel zur politischen Ankündigung hat die FRZ eine Testplanung beauftragt. Die Leitung übernimmt Markus Schaefer, der mit Hosoya Schaefer seit 2014 den Nationalen Innovationspark Dübendorf städtebaulich koordiniert. Sein Mandat ist nüchtern formuliert: Welche räumlichen Voraussetzungen braucht eine Fusion? Und welche Qualitäten kann sie ermöglichen? Im Zentrum stehen drei Szenarien mit unterschiedlichen Schwerpunkten hinsichtlich Wohnen und Arbeit, Freiraum und Verkehr. Ein erster Zwischenbericht ist für Herbst 2026 angekündigt.

In der von Schaefer zusammengestellten Begleitgruppe sitzt auch Mathias Müller von EM2N Architekten, der 2011 gemeinsam mit der ‹Gruppe Krokodil› eine Grossstadt im Glatttal entworfen hatte – ohne Auftrag, aus eigener Überzeugung und aus eigener Tasche. Der damalige Stadtpräsident Lothar Ziörjen nannte den Vorschlag «interessant, aber wirklichkeitsfremd». Heute finanzieren sein Nachfolger André Ingold und dessen Kolleg*innen ein offizielles Projekt.

SP-Stadtrat Langenegger bleibt entspannt

In der Stadtzürcher Verwaltung reagiert man derweil gelassen. Der frisch gewählte SP-Stadtrat Tobias Langenegger gibt sich skeptisch ob des Standortvorteils von Tempo 50 und Gratisparkplätzen: ETH und Universität Zürich, Google und Meta, Banken und Versicherungen, die Kreativwirtschaft — sie alle wären nicht wegen der Verkehrspolitik in Zürich. Die junge Generation hochqualifizierter Arbeitskräfte wähle ihren Wohnort zunehmend aufgrund urbaner Qualität und gesellschaftlicher Offenheit. Das mache die Kernstadt attraktiv.

Eine echte Stadt brauche darum aktive Wohnungs- und Kulturpolitik, qualitätsvolle öffentliche Räume und funktionierende Sozialinfrastrukturen, findet Langenegger. Das Modell der City Managerin ohne Volkswahl findet er bemerkenswert amerikanisch. Der neuen Stadt wünsche er gleichwohl viel Erfolg: Konkurrenz belebe bekanntlich das Geschäft.

Kommentare

Harley Quinn 01.04.2026 16:27
Wunderbar. Die Stadtflucht 2.0 beginnt...
Burckhardt, Frisch, Kutter 01.04.2026 11:50
Endlich!
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