Redaktorin Maarit Ströbele wünscht sich eine Stadt, die aus sich herausgeht.
Die ehemalige Zürcher Stadträtin Ursula Koch hat politische Wegmarken gesetzt. Ihr berühmter Satz über die gebaute Stadt bedarf jedoch einer Überprüfung.
«Die Ära Ursula Koch verdeutlicht, dass Politik wirkungsvoll sein kann», heisst es im Einstiegsessay des neuen Buchs über die Zürcher Politikerin. Als Vorsteherin des Hochbaudepartements prägte Ursula Koch die Stadtplanung von 1986 bis 1998 massgeblich; ohne ihr beherztes Engagement wäre Zürich nicht das, was es heute ist. Damals endete das Primat der autogerechten Stadt. Koch war ihrer Zeit voraus: Sie forderte den Mehrwertausgleich, noch bevor die Debatte darüber auf breiter Ebene entfacht war, und konnte ihn trotz des grossen Widerstands durchsetzen. Etwa beim Pionierprojekt Neu-Oerlikon. Quartierentwicklung durch Private: ja, aber nur und von Anfang an mit grosser Schule, Parks, öffentlichen Strassen und einem Mindestwohnanteil – Letzteres notabene zu einer Zeit, als Büros lukrativer schienen.
Seither ist viel geschehen. In den vergangenen 30 Jahren hat sich Zürich von der A-Stadt – der Stadt der Armen, Arbeitslosen, Alten und Ausländer*innen – zur Triple-A-Stadt der internationalen Tech- und Finanzwelt gewandelt. Auf die Ära Koch folgte der Urbanisierungsboom unter Elmar Ledergerber. Die Konzerne haben Geld und hochqualifiziertes Personal gebracht, aber auch Ungleichheit und Druck im Wohnungsmarkt. Das bestimmt die aktuelle Planungsdebatte, vor allem die hitzige Diskussion um Business-Apartments und bezahlbaren Wohnraum.
Mehr Extraversion täte gut Zahlreiche Türme sind in die Höhe geschossen und neue Wohnquartiere entstanden, als ‹Greencity› in der Manegg etwa oder in Leutschenbach siehe auch ‹Dicht gemacht›, Seite 18, in Seebach und Affoltern. Dieser Boom zeigt sich auch in den Vorortsgemeinden – in Form von Terrassenhäusern auf ehemaligen Einfamilienhausgrundstücken am See, Hochhäusern in «Dübai» und Blockrandquartieren in Glattbrugg, Adliswil, Schlieren, Dietikon, Wallisellen.
Doch warum kehrt Zürich diesen neuen Stadtteilen ausserhalb d...
Verbinden, was zusammengehört
Die ehemalige Zürcher Stadträtin Ursula Koch hat politische Wegmarken gesetzt. Ihr berühmter Satz über die gebaute Stadt bedarf jedoch einer Überprüfung.
13.01.2026 11:00