Fabienne Hoelzel versteht Stadtplanung als politisches Handeln. Sie arbeitet zwischen Lagos und Stuttgart – und immer an der Frage, wie Stadt gerechter werden kann.
«Ich warte nicht, bis mich jemand beauftragt»
Fabienne Hoelzel versteht Stadtplanung als politisches Handeln. Sie arbeitet zwischen Lagos und Stuttgart – und immer an der Frage, wie Stadt gerechter werden kann.
Fotos: Tom Saatér
Städtebauerin, Professorin, Aktivistin – Fabienne Hoelzel hat viele Rollen. «Arbeit, die Freude macht, gibt mir extrem viel Energie», sagt sie. In Zürich hat sie studiert, in São Paulo leitete sie drei Jahre lang das Städtebauteam bei der Wohnungsbau- und Stadtentwicklungsbehörde SEHAB, die für das städtische Slumaufwertungsprogramm zuständig ist. Heute forscht und lehrt Fabienne Hoelzel in Stuttgart. Mit ihrer Non-Profit-Organisation ‹Fabulous Urban› plant sie seit 2013 den Wiederaufbau von informellen Quartieren, autarke Toiletten oder eine mobile Klinik in Lagos. In der Schweiz ist sie nur noch selten, für das Interview müssen die eingeplanten 90 Minuten exakt reichen, danach steht der nächste Termin an.
Fabienne, warum bist du Städtebauerin geworden? Fabienne Hoelzel: Aufgewachsen bin ich in einem Design- und Kunsthaushalt in Aarau. Ich erinnere mich an lange Sommerferien in Italien oder Frankreich mit Museumsbesuchen in der Sommerhitze. Das fand ich als kleines Kind sehr ätzend. Trotzdem studierte ich Architektur. Danach entdeckte ich 2009 durch die Kurationsarbeit für die Architekturbiennale Rotterdam mit Kees Christiaanse nicht nur den Städtebau, sondern auch extreme Urbanisierungsformen weltweit. Ich war ungeheuer fasziniert davon, wie sich die Menschen in Favelas ohne Unterstützung der Regierung organisieren.
Die Publikation ‹Baunetz› schreibt, dass du einen «aktivistischen Entwurfsansatz» verfolgst. Was treibt dich an? Ich wünsche mir aus tiefstem Herzen gerechtere Städte – und ich warte nicht, bis mich jemand beauftragt. Mit ‹Fabulous Urban› kümmern wir uns entweder um Aufgaben, die von einer Gemeinschaft an uns herangetragen werden, oder um solche, die wir selbst identifizieren. Der grosse Widerspruch dabei ist, dass wir oft zuerst ein fertiges Projekt benötigen, bevor wir Fördergelder beantragen können. Wir müssen also vorab Resso...
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