Der geborene Verkehrsplaner

Im Rückspiegel erzählt Fritz Kobi (75), warum er Strassen als Chancen sieht und wie das ‹Berner Modell› autogeplagte Ortszentren wiederbelebte. Kobi war während 21 Jahren Kreisoberingenieur in der Region Bern.

Fotos: Urs Walder

Im Rückspiegel erzählt Fritz Kobi (75), warum er Strassen als Chancen sieht und wie das ‹Berner Modell› autogeplagte Ortszentren wiederbelebte. Kobi war während 21 Jahren Kreisoberingenieur in der Region Bern.

Zeitgleich zur Einweihung der verkehrsberuhigten Kantonsstrasse 2004 im Zentrum von Köniz eröffnete dort auch eine grosse Migros-Filiale. Viel mehr Leute überquerten in der Folge die Strasse, als wir Planer vom Tiefbauamt es angenommen hatten. Die Autos krochen im Schritttempo, die Busse standen im Stau. Wir hatten das Konzept der Koexistenz eingeführt, also die gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer, um dem Auto die Vormachtstellung zu nehmen. Doch dass die vielen Fussgängerinnen die Autos ausbremsten, war ein «Chlupf» für uns, ein Planungsflop. Also entschieden wir, zum ersten Mal überhaupt auf einer Kantonsstrasse Tempo 30 auszuprobieren, wissenschaftlich begleitet. Damit wurde aus Köniz doch noch ein international beachteter Erfolg. Das «Lernen aus Erfahrung» wurde zu meinem Grundsatz. Wir führten Wirkungsanalysen durch und konnten so unseren Umgang mit den Strassen und der Mobilität im Siedlungsgebiet stetig aktualisieren. So entwickelten wir schrittweise das ‹Berner Modell›. Dieses Planungsmodell umfasst weit mehr als die Gestaltung des Strassenraums. Auch der partizipative Ansatz, ein neues Rollenverständnis der Planenden, spezifische Instrumente für die Umsetzung, Wirkungsanalysen und die Weiterentwicklung gehören dazu. Nicht zu vergessen die umfassende Kommunikation. In der Gemeinde Zollikofen schlug ich zum Beispiel erstmals vor, im Rahmen des Strassenprojekts eine ausgewogene partizipative Begleitgruppe aufzustellen. Oder im Vorfeld der Sanierung der Seftigenstrasse in Wabern gingen wir ohne Pläne zur dortigen Begleitgruppe und stellten Fragen: Wo drückt euch der Schuh? Was wollt ihr erreichen? Sogleich drifteten die Meinungen auseinander: Die einen wollten keine Autos mehr, die anderen gleich 40 000 am Tag. In weiteren Workshops einigte man sich, und wir richteten eine betrieblich wegweisende Strasse ein. Seinen Namen verdankt das Ganze ...

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