Zahlreiche Menschen nehmen an Kundgebungen gegen die Aussagen vom deutschen Bundeskanzler zum Stadtbild teil, wie hier in Köln. Fotos: KEYSTONE/DPA/Thomas Banneyer

Das ‹Stadtbild› gibt es nicht

Deutschland debattiert darüber, welche Menschen das Stadtbild prägen. Dabei geht vergessen, dass wir die Stadt individuell wahrnehmen und sie stetig im Wandel ist.

«Aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen.» Das sagte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz Mitte Oktober zum Stadtbild – ohne zu definieren, wen und was er damit meinte. Auch in den Folgewochen blieb er bei seiner Aussage, ohne sich genauer zu erklären. Das führte wiederum zu zahlreichen politischen Interpretationen und einer Welle der Empörung, sowie zu vielen öffentlichen Protesten von Menschen, die seine Aussage als rassistisch einstufen. Auf das Stadtbild bezog sich in diesem Zusammenhang bereits Wochen zuvor der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und stellte klar: «Das Stadtbild muss sich wieder verändern». Die Hamburger Soziologin Nina Perkowski ordnete für die Tagesschau ein, dass das Stadtbild dafür herhalten muss, Ängste zu schüren gegenüber «der sichtbaren Anwesenheit von Menschen, die als nicht-deutsch oder nicht-weiß wahrgenommen werden, und zwar unabhängig von ihrer tatsächlichen Staatsbürgerschaft». In der Schweiz ist der Begriff ‹Stadtbild› allgegenwärtig. Allein auf Hochparterre.ch erscheint er 248-mal. In vielen Orten gibt es Stadtbildkommissionen. Das sind Fachgremien, die Behörden oder Regierungsmitglieder dabei unterstützen, Planungen im Hinblick auf ihren baukulturellen Wert und ihre gestalterischen Qualitäten zu prüfen. Gebäude passen nicht ins Stadtbild passen, wenn sie zu dominant daherkommen, den ortsüblichen Massstab sprengen oder die Fassadengliederung die Nachbarbauten ignoriert. Und dann gibt es noch Personen, die per Funktion einen besonders starken Einfluss auf das Stadtbild haben, wie der neue Vorsteher des Amt für Hochbauten (AHB) der Stadt Zürich, Enrico Slongo. Hier stand der prägende Einfluss auf das Stadtbild bereits in der Stellenau...
Das ‹Stadtbild› gibt es nicht

Deutschland debattiert darüber, welche Menschen das Stadtbild prägen. Dabei geht vergessen, dass wir die Stadt individuell wahrnehmen und sie stetig im Wandel ist.

E-Mail angeben und weiterlesen:

Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt! Wir möchten Ihnen gerne Zugriff gewähren, obwohl dieser Beitrag Teil unseres Abos ist.