Bei Hochparterres Zukunftsblick verkehrt das Tram in der Innenstadt weitgehend unterirdisch (schwarz gefasste Linien).

Zukunft ohne Perspektive

In der Sauregurkenzeit hat der «Tages-Anzeiger» gleich dreimal in die Zukunft geblickt. Zweimal phantasievoll aber unrealistisch, einmal – mit dem Tramkonzept 2030 – realistisch aber perspektivlos. Die zentrale Frage bleibt unbeantwortet: Wie kann man die Innenstadt entlasten?

Die Sommerferien sind Sauregurkenzeit, in der sich nur wenig ereignet. Das wirtschaftliche und kulturelle Leben läuft im Spargang, so dass insbesondere die Journalisten des Lokalteils ihre Spalten phantasievoll füllen müssen. Ein beliebtes Thema dafür ist der Blick in die Zukunft. Der Tages-Anzeiger hat das in den letzten Tagen gleich dreimal gemacht: Das erste Mal schaute die Zeitung zurück, wie sie sich vor fünfzig Jahren die Zukunft der Zürcher Bahnhofstrasse vorgestellt hatte, das zweite Mal skizzierte der Tagi ein Bild von Zürich in fünfzig Jahren, und das dritte Mal warf er einen Blick auf die Zukunft des Zürcher Tramnetzes.Die beiden ersten Beiträge haben einen gewissen Unterhaltungswert, mit der Realität jedoch kaum etwas zu tun. Wie immer bei solchen Zukunftsblicken schiessen die Autoren weit über das Ziel hinaus. Heute schütteln wir den Kopf über die Phantasien, die die Gedanken beim Blick von 1964 nach 2014 beflügelten. Doch der Blick von 2014 nach 2064 macht genau das gleiche. Vieles wird sich in fünfzig Jahren ändern, manches vielleicht durchaus so, wie im Beitrag skizziert. Doch insgesamt wird die Welt, wird Zürich nicht so viel anders sein wie heute.Der dritte Beitrag der Zukunftsserie hingegen krankt an einem anderen Punkt: der fehlenden Perspektive. Dass die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) heute schon genau wissen, wie sich Zürich 2030 auf Schienen bewegen wird, ist selbstverständlich. 2030 ist sozusagen übermorgen – die 16 Jahre bis dahin vergehen wie im Flug. Das Liniennetz ist denn auch hinlänglich bekannt und ändert sich nur noch in Nuancen.Der blinde Fleck im ZentrumDarüber könnten wir froh werden – wenn da bloss ein grosser Makel nicht wäre: der blinde Fleck in der Mitte. Linienverlängerungen in die Aussenquartiere und neue Tangentialverbindungen sind gut und nötig. Doch was passiert in der Innenstadt? Dort (im Bereich Central–Bahn...
Zukunft ohne Perspektive

In der Sauregurkenzeit hat der «Tages-Anzeiger» gleich dreimal in die Zukunft geblickt. Zweimal phantasievoll aber unrealistisch, einmal – mit dem Tramkonzept 2030 – realistisch aber perspektivlos. Die zentrale Frage bleibt unbeantwortet: Wie kann man die Innenstadt entlasten?

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