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Die Galeria Studio mit dem gleichnamigen Theater ist der Ort des Festivals. Davor sitzt seit 1955 ein steinerner Philosoph. (Foto: Werner Huber)
Die Galeria Studio mit dem gleichnamigen Theater ist der Ort des Festivals. Davor sitzt seit 1955 ein steinerner Philosoph. (Foto: Werner Huber)

Planung & Städtebau

WWB9 (1): Plac Defilad – ein Schritt vorwärts

Text: Werner Huber / 10.10.2017 18:18

Der Paradeplatz – Plac Defilad – am Fuss des Kulturpalastes mitten im Zentrum Warschaus ist nach wie vor eine Brache. Seit der Wende 1989 sind sämtliche Bestrebungen, das riesige Areal um den Platz zu bebauen und die öffentlichen Räume neu zu gestalten, gescheitert. Inzwischen gibt es baureife Projekte für das Museum für Moderne Kunst und das Theater TR Warszawa. Sie werden dereinst den vorläufig als Plac Centralny bezeichneten neuen Platz an der Nordseite begrenzen.

Deshalb haben das Museum für Moderne Kunst (Muzeum Sztuki Nowoczesnej, MSN) und das Stadtmuseum Muzeum Warszawy die diesjährige neunte Ausgabe des Festivals «Warszawa w budowie» («Warschau im Bau», WWB9) dem neuen Platz und den Plätzen allgemein in Warschau gewidmet. Der Titel «Plac Defilad: Kork do przodu» («Paradeplatz: ein Schritt vorwärts») ist gleichermassen Motto wie Hoffnung, denn wirklich gesichert ist der Museumsneubau angesichts der komplizierten politischen Konstellation noch nicht.

Wie dem auch sei: Am letzten Sonntag, 8. Oktober wurde die Hauptausstellung des diesjährigen Festivals in der Galeria Studio im Sockelbau des Kulturpalastes feierlich eröffnet. Unter der Leitung der Kuratoren Tomasz Fudala und Szymon Maliborski vom MSN haben verschiedene Teams das Thema unter unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet.


Ein Teil beleuchtet die Geschichte des Platzes. Dieser wurde in den Fünfzigerjahren als Vorplatz zum stalinistischen Kulturpalast und als Ort für die grossen politischen und gesellschaftlichen Manifestationen angelegt. Nach der Wende wurde er zum Basar, zum Lunapark und zur Projektionsfläche verschiedener architektonischer Visionen.


Ein anderer Teil der Ausstellung untersucht die verwandten Plätze zum Plac Defilad in den anderen sozialistischen Ländern. Er stellt zudem die These auf, dass vorab im 20. Jahrhundert die Plätze in den sozialistischen Ländern Veranstaltungsplätze, in den kapitalistischen Ländern hingegen Verkehrsplätze waren. Ausserdem entwarfen die Autoren Kuba Snopek und Tomasz Świetlik anhand des Plac Defilad eine Art «Patentzeichnung» für einen Paradeplatz.

Mit bunten Platzformen untersucht ein anderer Bereich der Ausstellung verschiedene Warschauer Plätze und stellt sie einander gegenüber. An einem weiteren Ort schliesslich zeichnen farbige Projektionen auf Modelle die Entwicklung verschiedener Plätze Europas nach.

Eine Publikation zur Ausstellung ist in Vorbereitung, wird vorerst allerdings nur auf Polnisch erscheinen. Leserinnen und Leser von Hochparterre werden immerhin die Gelegenheit haben, nach dem Erscheinen des Buchs meinen Beitrag «Stalins Schatten ist nicht nur schwarz» hier auch auf Deutsch lesen zu können.

Hochparterre ist Medienpartner des Festivals «Warszawa w budowie», das noch bis am 26. November dauert und von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet wird.

WWB (2): Das erste Baugespann in Polen

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