Betonraster, mit Backstein ausgefacht oder nicht – und niemals fertig. Fotos: Georg Aerni

Weiterbau im Nildelta

In Winterthur zeigt der Zürcher Fotograf Georg Aerni die Serie ‹Silent Transition› über die informelle Siedlungsentwicklung um Kairo und Gizeh.

Wenn Architekten hierzulande von Weiterbau sprechen, denken sie meist an von ihrer sicheren Hand durchgestaltete Häuser mit Gliederungselementen, Farbkompositionen und Oberflächenstrukturen. Im Nildelta bei Kairo und Gizeh, hat der Zürcher Fotograf Georg Aerni im Frühling 2018 eine andere Art von Weiterbau dokumentiert.

Informelle Siedlungen dringen hier ins Ackerland vor und orientieren sich dabei an den Feldparzellen. Meist öffnen sie sich nur auf einer Seite, und erlauben auf den anderen dreien das Weiterbauen. Aerni spricht von «abstrakten, rätselhaften Körpern». Das Prinzip und die Materialien sind immer gleich: Betonstützen und Platten bilden ein mehr oder weniger regelmässiges Raster, Backsteine fachen es aus. Armierungseisen spriessen aus den Stützen, sodass sich aufstocken lässt, wenn genug Geld, Nachwuchs oder neue Nachbarn da sind. Das Stadtbild ist homogen, doch ständig im Wandel, und so tauft Aerni seine Fotoserie ‹Silent Transition›.

Und stellt sie in Winterthur aus. Begleitet wird die Ausstellung von einem Gespräch zwischen Georg Aerni und Peter Grüter. Ausserdem hält Charlotte Malterre-Barthes, Direktorin des MAS Urban Design an der ETH Zürich, den Vortrag «Informal Cairo: Housing the Majority».

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