Von Architekten für Architekten: Diskussion über die «Neue Dichte» an der Europaallee am 31.01.13 im Architekturforum Zürich. Fotos: Josef Schätti

Unter sich

Im Architekturforum Zürich sassen sich am vergangenen Donnerstagabend Architektin, Architekt und Architekt gegenüber, um die «Neue Dichte» an der Europaallee zu diskutieren.

Im Architekturforum Zürich sassen sich am vergangenen Donnerstagabend Architektin, Architekt und Architekt gegenüber, um die «Neue Dichte» an der Europaallee zu diskutieren – und Patrick Gmür, Direktor des Amts für Städtebau, als einziger «Aussenseiter». Ein «Kränzchen unter Pfarrerstöchtern» hätte es Peter Ess genannt, ehemals Direktor des Zürcher Amts für Hochbauten.

Unter Pfarrerstöchtern blüht das ungestörte Erzählen, und so liess Moderator Christoph Bürkle seinen Gästen Annette Gigon, Max Dudler und Christoph Felger aus dem Büro David Chipperfield erst einmal viel Auslauf, um von der Erfahrung gemeinsamen Entwerfens zu berichten. Die drei gestandenen Büros haben miteinander das Baufeld C an der Europaallee geplant, wo in Kürze die UBS einziehen wird.

Im Gegensatz zu einer kontrovers besetzten Podiumsdiskussion hatte dieses Untersichsein etwas Gesprächiges und Entspanntes, auch zum Zuhören. Man konnte Architekten beim Nachdenken über ihre Erfahrungen zuhören, und weil alle drei helle Köpfe sind, war das interessant und hatte Tiefe. Wehmut schwang bei der Feststellung mit, dass die geforderte maximale Flexibilität im Grundriss und damit anonyme Nutzung den Architekten nur noch die Fassade zur Prägung überlasse – aber gerieten diese dann zu verschieden, entstehe ein «Architektenzoo» und keine Stadt. Die Anstrengung dieses Prozesses – das richtige Mass an Einheit und Verschiedenheit zu finden – war herauszuhören. Das Resultat wollte Annette Gigon noch nicht beurteilen, dafür sei es zu früh. Max Dudler dagegen frohlockte: «Wenn man von Stadt spricht, muss man zuerst vom öffentlichen Raum sprechen – und da gelingt uns mit der Europaallee ein Stück europäische Stadt mit Gassen, Plätzen und Höfen». Es werde ein lebendiger, durchmischter Stadtteil – es brauche nur Zeit, wohl 10 Jahre.

Das war der Punkt, wo das Pfarrerstöchterkränzlein eine Störung brauchte. Christoph Bürkle versuchte es mit kritischen Fragen: Entsteht hier tatsächlich ein Stück Stadt oder einfach ein «guter Ort für gute Geschäfte», wie die SBB schreiben? Kann von Durchmischung die Rede sein, wenn die Wohnungspreise bei 1,5 Millionen Franken beginnen? Die drei Architekten wiegelten ab und verwiesen wieder darauf, der neue Stadtteil brauche noch Zeit. Und so hinterfragte ausgerechnet der Stadtbaumeister die bisherige Entwicklung am offensten: Die Durchmischung und Lebendigkeit sei gefährdet und ebenso sei es der benachbarte Kreis 4, wenn es bei Wohnungen vor allem im teuren Segment bleibe und in den Erdgeschossen vor allem internationale Ketten zu finden seien, meinte Patrick Gmür. Doch der Hebel der Stadtplanung sei gering, sie könne Privaten keine Nutzung vorschreiben. Aber sie kann darüber verhandeln im Rahmen von Gestaltungsplanverfahren – und ein solches war die Planung der Europaallee. Doch hier schrieb man, ähnlich wie vielerorts in Zürich West, zwar einen Wohnanteil fest, aber wenig zu dessen Qualitäten. Dank des Drucks von links geschieht dies heute eher – etwa um günstige Wohnungen zu ermöglichen wie auf dem Zollfreilagerareal oder in der Manegg. Diese Verfahren kosten Geld und Zeit und unter Umständen droht eine Volksabstimmung, das Schreckgespenst jedes Investors. Doch das, sinnierte Stadtbaumeister Gmür, sei vielleicht gerade der Vorteil von Zürich und der Schweiz: «Für globale Investoren sind wir wenig attraktiv, weil alle mitreden können und dadurch alles so lange dauert. Aber diese Zeit ist die beste Qualitätssicherung.»

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