Verdichten und damit Landschaft schonen - Anschauungsbeispiele dafür bot die Tagung der Pro Natura am vergangenen Donnerstag 31.01. in Sursee

Sursee, Fontenais und Haldenstein

Dichter bauen, schöner wohnen?, fragte Pro Natura am vergangenen Donnerstag in Sursee. Ihre Tagung bot Anschauung, wie kleine Städte und Dörfer die Innenentwicklung klug vorantreiben können.



Einer der ersten Redner war skeptisch: Beat Tinner, Gemeindepräsident von Wartau im Sarganserland, rechnete den rund 100 anwesenden Planungsexpertinnen und Gemeindevertretern vor, dass seine Gemeinde mit ihrem hohen Überbauungsgrad das Wachstum nicht allein mit Verdichtung bewältigen könne, sondern weiter auf Einzonungen angewiesen sei. Gleichzeitig stellte Tinner eine vielversprechende Erfindung seiner Gemeinde vor: Wartau hat vor zwei Wochen eine gemeindeeigene Aktiengesellschaft gegründet, um Liegenschaften mit Verdichtungspotenzial zu kaufen und zu entwickeln.

Der Vormittag gehörte der «good practise». Stadtplaner Matthias Wehrlin nahm das Publikum mit auf einen Rundgang vor der Tagungshaustüre. Er skizzierte, wie Sursee den vom Kanton geforderten Ausbau zum zweiten Wirtschaftszentrum neben Luzern durch Innenentwicklung bewältigen kann. Wehrlin will nicht überall, sondern vor allem im Bereich des Bahnhofs die Bebauung überformen und verdichten. Sursee erhielt vor 10 Jahren den Wakkerpreis für seine umsichtige Erneuerung und Aktivität im öffentlichen Raum. Auch diesen will Wehrlin als städtische Massnahme weiter stärken.

Corine Mamie Leschot zog als Gemeinderätin des jurassischen Fontenais eine Bilanz des Modellvorhabens «Wohnraumaufwertung im Ortskern». Damit unterstützt der Bund die Renovation alter Dorfhäuser als Alternative zum Einfamilienhausbau an der Peripherie. In Fontenais haben Private bisher drei Liegenschaften mit solchen Zustüpfen des Bundes und des Kantons saniert und damit 16 neue Wohnungen im Ortskern geschaffen. Wie viele Familien und Personen dadurch zurück in den Ortskern gezogen sind, konnte Corine Mamie Leschot nicht genau sagen, sie hatte am Abend vor der Tagung aber an der Gemeinderatssitzung erfahren, dass die Bevölkerung erstmals nach Jahren der Stagnation um 34 neue Einwohnerinnen und Einwohner gewachsen sei.

Viel Anerkennung an der Tagung erhielt die Ortsplanungsrevision von Haldenstein bei Chur. Zum breit abgestützten Prozess gehörten Testplanungen in Zusammenarbeit mit der HTW Chur darüber, wie die Gemeinde baulich wachsen solle. Die Gemeinde zonte keine Einfamilienhausquartiere mehr ein, sondern ausschliesslich W3-Gebiete, und dies nicht an prominenter Hanglage, sondern zentral und gut erschlossen an der Strasse nach Chur. Gegen gute Gestaltung und Minergie-P-Standard wird das Attikageschoss von der Ausnützungsziffer befreit. Auch in einigen anderen Punkten wurde das Baugesetz zugunsten guter Gestaltung verschärft. Der Architekt, Bauberater und Gemeinderat Robert Albertin erzählte von der Planung in Haldenstein und steckte das Publikum mit seiner Begeisterung dafür an.

Als Entscheidungshilfe diente Haldenstein der RBG-Simulator, den Moritz Wandeler von der Hochschule Luzern vorstellte. Raumplanung, Bevölkerungsentwicklung und Gemeindefinanzen werden in Abhängigkeit gebracht und so ermittelt, ob zum Beispiel das Einzonen von Einfamilienhausparzellen tatsächlich das erhoffte Steuersubstrat bringt. Der Simulator belegt, dass die verdichtete Bauweise mit Mehrfamilienhäusern das beste Verhältnis von Investitionen in Infrastruktur und Steuereinnahmen bringt – was belegt, dass die Verdichtung auch mit Blick auf die Gemeindekasse Sinn macht.

Da sich der letzte Referent, Beat Suter von der Metron, krank melden musste, erhielt das Publikum die Dichtebox der Metron mit einem Fernsehbeitrag vorgestellt. Anschliessend liess die Schlussdiskussion mit allen Referentinnen und Referenten das Gehörte Revue passieren. Das Wertvollste der Tagung waren unbestritten die konkreten Fallbeispiele – abgucken erwünscht.

Kommentare

Claudia 06.11.2013 09:11
Entschuldigung, aber auf dem Bild ist nicht Sursee am Sempachersee sondern Hitzkirch am Baldeggersee und zwar von Retschwil aus fotografiert....
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Ich kann das Bild nicht lesen