Lampugnanis Vision für die ETH auf dem Hönggerberg: Das Tram bindet die Science City an die Stadt an... Fotos: zVg

Strasse, Platz, Park

Vittorio Magnago Lampugnani stellt in der Ausstellung «Stadt-Bau als Handwerk» sieben seiner weniger bekannten Projekte vor. Im Zentrum stehen der öffentliche Raum und das Anknüpfen an seine Geschichte.

In der Ausstellung «Stadt-Bau als Handwerk» zeigt Vittorio Magnago Lampugnani sieben seiner weniger bekannten Projekte. Ob kleine Plätze behutsam neu gestaltet oder ganze Stadtteile umgekrempelt werden: Im Zentrum steht der öffentliche Raum und das Anknüpfen an die Geschichte dieser zentralen Orte im Stadtgefüge. Architekten könnten lange darüber streiten, ob ein Platz gut oder schlecht gestaltet sei, meinte Lampugnani an der Vernissage. Doch im Grunde sei es ganz einfach: «Ob der Städtebau funktioniert, erkennt man daran, dass die Menschen die Plätze nutzen.»

Um dies zu erreichen, arbeitet Lampugnani mit Diagrammen zu Nutzung, Grünraum oder Verkehr. Ins Auge stechen aber vor allem die Situationspläne, die drei Meter lang von der Decke hängen. So etwa das Projekt für einen Forschungscampus der Novartis in New Jersey. Der Masterplan entwickelt eine eigene Schönheit bevor der erste Stein der Stadt gesetzt ist. Er zeigt die Komplexität der Stadtstruktur und gleichzeitig die Klarheit des Entwurfs: Eine u-förmige Bebauung definiert Plätzen und Strassen um eine grüne Mitte. Daneben lässt der Plan die Realität des amerikanischen Traums erkennen: Ein Einfamilienhaus neben dem anderen verstellt den Hang rund um das Forschungsgelände.

Visualisierungen illustrieren, wie die Stadtteile einmal aussehen werden - falls sie denn gebaut werden. Denn einige der Projekte blieben Visionen auf dem Papier. Etwa der Entwurf für das Quartier Färbi in Schlieren, wo dichte Blockrandränder einen grossen Park frei spielen. Oder der Plan für die Weiterentwicklung des Science City Campus der ETH Zürich auf dem Hönggerberg. Lampugnani riss das viel verachtete HIL-Gebäude ab und legte dafür eine kleinteilige Struktur an, die Wohnen und Arbeiten eng verzahnt. In Ingolstadt beweist Lampugnani, dass der Städtebauer nicht immer mit der grossen Kelle anrühren muss. Er gestaltete den Platz um die Kirche nach alten Plänen um und ergänzte ihn mit sorgfältigen Details wie Abfalleimern, Veloständern oder Bänken. «Im Grunde haben wir fast nichts gemacht», so der Architekt, der sich damit gegen das «Hyper-Gestalten» mancher Innenstädte wehrt.

Bei aller Kraft der Pläne und Bilder, hat die Ausstellung einen schmerzlichen Mangel: Sie bleibt in der Fläche. Modelle, die die Stadt greifbar machen, sind keine vorhanden. Die grossartigen Pläne sind aber Grund genug für eine Reise durch Lampugnanis Stadtbauhandwerk. Die Schau ist noch bis 16. Dezember in der Ausstellungshalle des Büromöbelherstellers Denz in Nänikon (ZH) zu sehen. Eine Publikation des gta Verlags und eine dreiteilige Vortragsreihe begleiten die Ausstellung.

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