Der Franklin-Turm in Zürich-Oerlikon.

Service public und Spekulation

«Der Profitmaximierung bei der SBB sollten Grenzen gesetzt werden», fordert Hochparterre-Leser Heinrich Frei in einem Leserbrief und kritisiert, dass der Bundesbetrieb trotz leerstehender Flächen weiter Bürohäuser baut.

In der Schweiz sind über 2 Millionen Quadratmeter Bürofläche zur Miete ausgeschrieben. Das ist cirka eine Fläche von 20'000 4-Zimmerwohnungen à 100 Quadratmetern. Wenn man annimmt, eine 4-Zimmerwohng sei etwa 400'000 Franken wert, würden die 20'000 4-Zimmerwohnungen etwa einen Wert von 8 Milliarden Franken haben. Die 2 Millionen Quadratmeter leerstehenden Büroflächen stellen eine ungeheure Verschwendung dar. Umso unverständlicher ist es, dass die SBB AG, ein öffentliches Unternehmen, immer noch Bürohäuser baut. Aktuell der Andreas-Turm und der Franklin-Turm in Zürich-Oerlikon. Ist es sinnvoll ist, dass in diesen beiden Gebäuden wieder tausende Quadratmeter Büroräume erstellt werden, wenn auch in Oerlikon und in Zürich und Umgebung so viele Büroflächen leerstehen, Büros vielerorts, die so zu sagen für den Mülleimer gebaut wurden? Klar an dieser guten Lage beim Bahnhof Oerlikon können die Büros in diesen Andreas und Franklin-Towern eher vermietet werden als all die heute leerstehenden Büros im Leutschenbach beim Fernsehstudio und im Glattpark in Opfikon. Auch Läden und Gastromieflächen, die in den beiden neuen Türmen vorgesehen sind, braucht es in Oerlikon eigentlich nicht. Rund um den Marktplatz in Oerlikon und in Zürich Nord hat es genügend Läden und Restaurants. In den beiden neuen Unterführungen des Bahnhofs Oerlikon werden Ende Jahr auch noch über 20 neue Läden und Gastrobetriebe eröffnet.
Der Profitmaximierung bei der SBB sollten Grenzen gesetzt werden. Öffentliche Betriebe müssten gesamtwirtschaftliche Aspekte berücksichtigen, sollten sich nach dem Gemeinwohl richten, nicht nach einer engstirnigen Gewinnmaximierungs-Ideologie von Spekulanten.

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Kommentare

Peter Singer 05.09.2019 15:36
Irgendwie fehlt mir die Begründung, warum die SBB das nicht machen sollte. Die SBB gehört der Öffentlichkeit, wenn das Unternehmen einen Mehrwert schafft, kommt dies der Öffentlichkeit zugute, wieso ist das also schlecht und wieso wird dies im Titel als Spekulation bezeichnet? Der der Autor geht ja selbst davon aus, dass es möglich sein sollte, die Büros direkt neben dem Bahnhof zu vermieten, dann müsste er doch zum Schluss kommen, dass es für das Gemeinwohl am besten ist, diese Büros zu bauen. Oder sollte die SBB absichtlich einen Verlust machen, um Steuergelder zu verschwenden?
Rolf Hefti 06.09.2020 15:51
Zürich hat sich seit den 2000er Jahren endlich etwas grosszügiger entwickeln dürfen, allen dafür Verantwortlichen sei herzlichst gedankt. Warum aber ist eigentlich, diese generelle und seltsame Höhenbeschränkung, nur diese nur bis 80 Meter hohe Hochhäuser zuzulassen, eigentlich entstanden ? Eine Limite nur 100 Meter hohe Häuser zu bauen zu lassen, wär wenigstens irgendwie und irgendwo etwas logischer gewesen ! Basel baut dagegen - in seinem reinem & purem Mut bereits 205 Meter hoch ! Höher als die höchste Schweizer Staumauer, dürfte in irgendeiner Zukunft für Züri auch mal gebaut sein .
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Ich kann das Bild nicht lesen