Der nächste Städtebau-Stammtisch dreht sich um Schulen, Stadt und Durchmischung.

Schulen, Stadt, Durchmischung

Zürichs wachsende Schulen brauchen dringend neue Flächen – nur wo? Zudem bedroht die Verdichtung die für Schulen und Chancengleichheit wichtige soziale Durchmischung – Themen am nächsten Städtebau-Stammtisch.

Zürichs Schulraumplanung hat ein gröberes Problem. «Innert kurzer Zeit müssen wir für die Volksschule rund 150'000 Quadratmeter Geschossfläche bereitstellen», sagte André Odermatt im Mai in der NZZ. Einerseits wächst die Zahl der Schülerinnen und Schüler, besonders im Norden und Westen der Stadt. Bis 2025/2026 rechnet man mit 38'000 Schulkindern oder 1900 Klassen – 20 Prozent mehr als heute. Andererseits hat die städtische Schulraumplanung in den letzten Jahren wenig vorausgeplant, wie Kritiker wie Balz Bürgisser, Gemeinderat Grüne, oder Walter Angst, Gemeinderat AL, immer wieder moniert haben.

Mittlerweile geht es nun um Investitionen von 1,8 Milliarden Franken, für Neubauten und Erweiterungen, für Sanierungen und für temporäre Schulpavillons. Damit werden die jährlichen Investitionen bis 2028 fast verdreifacht. Ein enormer Wachstums-, Investitions- und Bauschub also. Wie kann dieser Schub dazu genutzt werden, um nicht nur mehr zu «betonieren» – sondern um das Wachstum der Schulen klugt mit der baulichen Verdichtung allgemein zu verknüpfen? Wenn die Raumnot dazu führt, dass Schulareale mit Zürimodular-Pavillons und Schulhauserweiterungen aufgefüllt werden, dann verschwinden wertvolle Freiräume für Kinder und Familien und es leidet das Schulhaus als Identifikationsort im Quartier.

Hochparterres Städtebau-Stammtisch vom 4. Juli widmet sich diesen Fragen. Zum einen geht es um das Bauen im engeren Sinn: Wie können die Zürcher Schulstandorte sozial verträglich verdichtet werden? Welche Typologien von Schulräumen und Schulhäusern gilt es zu entwickeln? Zum anderen blicken wir auf das Schulhaus als Quartier-Scharnier: Chancengleichheit gelingt am besten in einem sozial durchmischten Umfeld. Doch der Gymi-Gap ist in der Stadt Zürich noch gross: Gymnasium-Übertritte gibt es in wohlhabenden Quartieren immer noch markant häufiger als in sozial schlechter gestellten Stadtteilen. Was also können Schule, Stadtplanung und Bauwirtschaft beitragen, damit Wachstum und Verdichtung nicht zu Verdrängung, sondern im Gegenteil zu mehr sozial durchmischten Quartieren führen? Dazu hat eine interdisziplinäre Projektgruppe 12 Appelle ausgearbeitet.

Hochparterres Städtebau-Stammtisch diskutiert die Fragen nun direkt vor Ort: Im Schulhaus Leutschenbach, das in einem stark wachsenden Schulkreis liegt.

Ein Inputreferat von Barbara Emmenegger, Prof. HSLU, Soziologin, fasst die 12 Appelle aus dem Themenheft zusammen. Anschliessend diskutiert Rahel Marti, Hochparterre, mit Katrin Gügler, Direktorin Amt für Städtebau, Claudia Siegle, Immobilienentwicklerin, Mobimo Management, Markus Truniger, Experte interkulturelle Bildung, und Walter Angst, Gemeinderat.
Anwesend sind weiter Vertreterinnen und Vertreter des Hochbauamts, erfahrene Schulhaus-Architektinnen sowie Fachleute aus Bildung und Schulraumplanung: etwa Kathrin Wüthrich, Präsidentin der Kreisschulbehörde Limmattal, und Thomas Stohler von der Fachstelle Schulraumplanung des Schulamts.

Städtebau-Stammtisch «Das Quartier und seine Schule»

Donnerstag, 4. Juli 2019, 18.30 bis 20.30 Uhr, danach Apéro.

Aula des Schulhauses Leutschenbach, Saatlenfussweg 3, Zürich
Schnellste Verbindung aus der Innenstadt (20 min): S-Bahn bis Oerlikon, Bus 781 oder 787 bis Genossenschaftsstrasse

Hier geht es zur Anmeldung.

Mit freundlicher Unterstützung von Emch Aufzüge und Stiftung Mercator Schweiz.

Kommentare

Peter U. 12.06.2019 12:15
Toll, und wo bleiben die Architekten in dieser "Stammtisch-Runde"? Ich lese nur was von Stadt, Soziologie, Immobilien und Politik.
Simone C. 13.06.2019 08:26
Anbetracht der Dringlichkeit des Themas und den daraus entstehenden Aufgaben und Wettbewerbe für uns Architekten finde ich das nicht falsch... Stichwort "Brunau-Park": Wurde hier die Notwendigkeit einer Schule schon überprüft? JETZT wäre der allerspäteste Zeitpunkt, den Schulraumbedarf hier einzubringen!!!
Simone C. 13.06.2019 08:26
Anbetracht der Dringlichkeit des Themas und den daraus entstehenden Aufgaben und Wettbewerbe für uns Architekten finde ich das nicht falsch... Stichwort "Brunau-Park": Wurde hier die Notwendigkeit einer Schule schon überprüft? JETZT wäre der allerspäteste Zeitpunkt, den Schulraumbedarf hier einzubringen!!!
Rahel Marti Hochparterre 15.06.2019 18:58
Danke für Ihre Kommentare und Ihren Hinweis. Architektinnen dürfen nicht fehlen, das sehe ich genauso, deshalb habe ich zusätzlich zum Kernpodium erfahrene Schulhaus-Architektinnen eingeladen, die ich als Expertinnen in die Diskussion einbeziehen werde.
Kommentar schreiben
Ich kann das Bild nicht lesen