Unsinniger Landverschleiss: Parkplatz neben dem Kinepolis im Herblingertal SH Fotos: swisstopo

Schaffhausen stimmt über Landschaft ab

In Schaffhausen soll gelingen, was national harzt: Der Schutz von Landschaft und Boden vor zügellosem Verschleissen.

Mit der «Schaffhauser Bodeninitiative» soll der seit 17 Jahren hängige Verfassungsauftrag der haushälterischen Bodennutzung im kantonalen Baugesetz konkretisiert werden. Am 22. September kommt das Anliegen an die Urne. Es geht um drei Punkte:

1. Boden sinnvoll nutzen
Im Gewerbe- und Industriegebiet ist der Verschleiss an Boden zu hoch. Mehrstöckige Bauten mit unterirdisch angeordneten Parkflächen oder Parkhäusern sollen die Verschwendung von Bauland stoppen.

2. Zersiedlung stoppen
Neue landwirtschaftliche Bauten sollen in Hofnähe oder angrenzend an Gewerbezonen gebaut werden statt die freie Landschaft zu zersiedeln. Nicht mehr benötigte Bauten sind zu entfernen.

3. Grünflächen erhalten
Das Vermeiden von Versiegelung und Verschotterung auf öffentlichem Grund hilft die Artenvielfalt zu erhalten und wirkt gegen die Sommerhitze.

Handeln, wenn der Bund versagt

Die Anliegen der Initiative sind dringend und nötig. Der Landverschleiss ist im Kanton Schaffhausen wie überall im Mitteland dramatisch. Mein Grossvater lebte in Wilchingen. So sind wir vor 60 Jahren mit der Deutschen Bahn zur Station Wilchingen-Hallau gefahren und ich bewunderte die Weite der unbebauten Landschaft im Klettgau - der Kornkammer Schaffhausens. Heute wohne ich im Klettgaustädtchen Neunkirch und sehe, die Landschaft ist planlos überstellt mit eintönigen, landwirtschaftlichen Bauten. Zweifelslos, die Landwirtschaft ist wichtig für die Erhaltung und Pflege unserer schönen, vielfältigen Landschaft. Aber die Landwirtschaft hat sich verändert, ist mobiler geworden und betreibt kaum noch Viehwirtschaft. Aufgeblähte Mastställe und Lagerhallen gehören nicht mehr in die Landschaft, sondern standortgerecht angrenzend an Gewerbezonen. Nicht mehr benötigte Bauten sind abzubrechen, denn der Wert von attraktiven, unbeeinträchtigten Landschaften für die Menschen wächst.
Im Kanton Schaffhausen versuchen wir mit der Bodeninitiative vorwegzunehmen, was auf Bundesebene auch nach mehreren Anläufen nicht gelingen will. Die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrates hat die Vorschläge zur Revision des Raumplanungsgesetzes als unbrauchbar beurteilt und das Verfahren gestoppt. Es wird Jahre dauern, bis der Bund umsetzungsreife Gesetze liefert. Vor diesem Hintergrund macht es Sinn, kantonale Lösungen zu entwickeln und zu testen. Zudem muss auch die weitere Ausdehnung von klimaaufheizenden Asphaltflächen und leblosen Steinwüsten gestoppt werden.

Alle relevanten Informationen und der Gesetzestext sind hier zu finden.
 

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