Die illustre Architekten-Runde diskutierte das politische Engagement: (v.l.n.r.) Der St.Galler Regierungsrat Martin Klöti, der Haldensteiner Gemeinderat Robert Albertin, der Rapperswiler Architekt Herbert Oberholzer und Kantonsrat Markus Bollhalder.

Politisierende Architekten

In der aktuellen Hochparterre-Ausgabe fordert der Planungswissenschaftler Stefan Kurath mehr politisierende Architekten. Der Verband freierwerbender Architekten Ostschweiz diskutierte die Forderung in illusterer Runde.

Der Verband freierwerbender Architekten Ostschweiz war am Montagabend zu Gast beim Architekturforum Ostschweiz in St.Gallen und diskutierte über die Stichworte Planen – Bauen – Politisieren. Der Rapperswiler Architekt Herbert Oberholzer brachte illustre Gäste mit aufs Podium: den Landschaftsarchitekten und St.Galler «Kulturminister», Regierungsrat Martin Klöti, den St.Galler Architekten und CVP-Kantonsrat Markus Bollhalder sowie den Bau-Gemeinderat Robert Albertin aus Haldenstein/GR.

Gastgeber Oberholzer stellte einleitend fest, dass im Nationalrat gerade mal zwei Baumeister sitzen, die rund 10 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) repräsentieren, aber 30 Landwirte, die nur ein Prozent des BIP vertreten. Und er beklagte, dass Architekten in der Schweizer Politik nicht existent seien: In den bilateralen Verträgen seien sie schlicht vergessen gegangen. Es gibt auch kein Architektengesetz, der Titel ist nicht geschützt.

Politisches Engagement von Architekten brauche es aber, nicht um Gelder für den Berufsstand zu generieren, wie es die Landwirtschaftsvertreter machten, so Oberholzer. Es gehe um mehr planerischen und gestalterischen Einfluss. In Haldenstein, der Vorortsgemeinde von Chur, scheint dies ein Stück weit gelungen zu sein. Anstoss für sein Engagement als Architekt im Gemeinderat war für Robert Albertin eine Planung, die über die Köpfe des Dorfes hinweg neue Bauzonen bestimmen wollte. Das rief Opposition auf den Plan. Architekten suchten Verbündete und stellten dabei fest, dass auf Gemeindeebene nur wenige etwas von diesen Sachfragen verstehen. Wenn aber genug erklärt wird und Ziele diskutiert werden, gelinge es, einen Zonenplan durchzubringen, der auf die vorhandene Struktur Rücksicht nimmt und strenge Anforderungen an die Gestaltung macht, stellte Albertin fest.

Der St.Galler Architekt und Kantonsrat Markus Bollhalder räumte zwar ein, dass solches im Dorf funktionieren mag. Mit kantonalen Gesetzen könne man aber die architektonische Qualität nicht heben. «Man kann nur den Rahmen vorgeben. Qualität muss den Gemeinden, den Bauherren und Investoren etwas wert sein – Gesetze bringen uns da nicht weiter», stellte er fest.

Regierungsrat Martin Klöti, früher Stadtrat in Rapperswil und Stadtpräsident von Arbon, verriet sein Rezept: Mit den ersten Vorschlägen die Grenzen sprengen, damit die Leute die Köpfe frei bekommen und eine breite Diskussion in Gang kommt. Wichtig sei, dass sich die Bevölkerung realisierbare Vorschläge aneigne und vertrete. «Dazu muss die Politik aber zuerst das Wissen vermitteln, mit den Leuten den Diskurs pflegen, sie abholen und begeistern», so sein Credo.

All das aber ruft nach Engagement, und dieses bringe langfädige Sitzungen mit sich, die sich wohl manch eine Architektin oder ein Architekt lieber ersparen. Doch ohne mehr Engagement in der Politik leide die Qualität der Planung und der Bauprojekte, war sich das Podium einig.

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