Ohne Güter keine Stadt

Das Güterverkehrsprojekt Cargo sous terrain bringt die Schwächen der Versorgungsinfrastruktur ans Licht. Der Tunnel ist nicht die Lösung, aber eine Chance.

Fotos: Clara San Millán

Das Güterverkehrsprojekt Cargo sous terrain bringt die Schwächen der Versorgungsinfrastruktur ans Licht. Der Tunnel ist nicht die Lösung, aber eine Chance.

Eine jahrelange Tradition des Outsourcings hat dazu geführt, dass Logistikinfrastrukturen aus den städtischen Zentren verschwunden und in Agglomerationsräume und auf die öffentliche Infrastruktur verschoben wurden. Damit stösst man nun an Grenzen, wie das Projekt Cargo sous terrain (CST) deutlich macht. Ein Tunnel von Genf bis St. Gallen, mit Abzweigern nach Basel, Thun und Luzern, soll den Güterfluss des Binnenmarkts unter die Erde verlegen. Das Projekt will die Probleme in der Agglomeration lösen. Setzt man sich mit den Details auseinander, wird klar: Sowohl die Probleme als auch die Lösungen liegen in den Zentren. Längere Wege Der Transportverkehr nimmt zu – nicht nur als Folge des gesteigerten Konsums. Transportstrecken werden länger, auf der Autobahn sind mehr Fahrzeuge unterwegs. Das Prinzip wäre einfach: Je weiter Güter gebündelt transportiert werden können, desto geringer sind die Emissionen, die Kosten und der Druck auf die öffentliche Infrastruktur. Doch der Blick in die Statistiken zeigt ein anderes Bild: Der Strassentransport ist unverhältnismässig günstig. Grossverteiler wie Migros und Coop haben ihre Logistik- und Produktionsstrukturen deshalb zentralisiert, Lieferketten optimiert und Verkaufsregionen zusammengelegt. Coop beliefert heute den Grossteil der deutschsprachigen Schweiz aus dem aargauischen Schafisheim, und die Migros betreibt in 25 Kilometern Luftdistanz zwei nationale Verteilzentren. Selbst lokale Produkte, die in den Regalen der Detailhändler zu finden sind, legen immer weitere Strecken zurück. Aber nicht nur für Grossverteiler hat sich die letzte Meile verlängert. Kleine Handels- und Transportfirmen mussten sich aus ihren städtischen Lagen in die Agglomeration zurückziehen. Die steigenden Bodenpreise sowie sinkende Akzeptanz für Lärm-, Licht- und Geruchsemissionen haben diese Entwicklung befeuert. Industrie- und Gewerbezonen si...

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