Mobilität ist ein Menschenrecht.

Nie mehr leiden, immer unterwegs

Mobilität ist ein Menschenrecht. Eher verzichten wir auf den Sexual- als auf den Bewegungstrieb. Doch bezahlen wollen wir nicht. Das muss verändert werden.

Die erste Stufe der Mobilität ist dem Menschen angeboren, er kommt als künftiger Fussgänger zur Welt. Doch der ist höchstens mitgemeint, wenn man heute von Mobilität redet. Er ist vernachlässigbar. Er findet unauffällig seinen Weg. Nur der Fussgängerstreifen und die Unterführung machen auf ihn aufmerksam. Erst, wenn er anderen Verkehr kreuzt, wird er zu einem Faktor in der Mobilitätsrechnung. Pauvre type! Die zweite Stufe erklimmen jene, die mit einem mechanischen Gerät, aber eigener Muskelkraft vorankommen. Der Volksmund nennt sie Velofahrer, aber man muss auch diejenigen, die mit dem Trottinett unterwegs sind, dazuzählen, ebenso die Rollschuhfahrer und Rollbrettlimenschen – all jene, die eine Bewegungshilfe benutzen, die sie mit eigener Kraft antreiben. Les sportifs. Die dritte Stufe erreichen alle, die mit einem öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs sind. Sie wenden keine körperliche Energie zur eigenen Beförderung auf. Für sie gibt es in der Schweiz ein perfekt ausgebautes, kollektives, öffentliches Verkehrssystem, um dessen Dichte und Verlässlichkeit uns die Welt beneidet. Seine Hauptträger sind Bus, Tram und Eisenbahn. Métro, boulot, dodo. Die vierte Stufe erklettert, wer mit dem eigenen Automobil herumfährt. Auch da wendet der Fahrer oder Passagier keine körperliche Energie zur Fortbewegung auf. Das Auto garantiert die höchste Entscheidungsfreiheit. Jeder fährt, wann es ihm passt. Jede fährt, wohin sie will. Diese Einrichtung heisst motorisierter Individualverkehr (MIV) und ist allgemein als Instrument der persönlichen Freiheit anerkannt. Für viele ist der MIV eine Lebensnotwendigkeit, denn da, wo sie wohnen, wären sie ohne Auto invalid, sprich fahrbehindert. Das Auto ist eine bittere Notwendigkeit und ein Freiheitsinstrument. Ein Statussymbol ist es auch. Es bringt Beachtung und damit Achtung, was zur Selbstachtung führt. L’homme entier. Die fünf...
Nie mehr leiden, immer unterwegs

Mobilität ist ein Menschenrecht. Eher verzichten wir auf den Sexual- als auf den Bewegungstrieb. Doch bezahlen wollen wir nicht. Das muss verändert werden.

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