Mobimo hält Kritik an Zürich West für berechtigt

Vor einer Woche am Städtebau-Stammtisch wollte Mobimo-CEO Christoph Caviezel noch nichts wissen von Kritik an Zürich West. Heute erklärte er die Kritik der Studie Immo Dorado des Mieterinnen- und Mieterverbandes Zürich als berechtigt.

Gibt es in Zürich West ein Überangebot an teuren Eigentumswohnungen? Vor einer Woche noch wollte Mobimo-CEO Christoph Caviezel am Städtebau-Stammtisch von Hochparterre davon nichts wissen: «Die Privaten sind frei, anzubieten, was nachgefragt wird.»
Heute dann die indirekte Bejahung. Im Mobimo Tower ist rund ein Drittel der 54 Wohnungen noch nicht verkauft. Mobimo teilte zusammen mit dem Geschäftsbericht 2012 mit: «Während die Nachfrage im mittleren Segment ungebrochen hoch ist, gestaltet sich der Verkauf der letzten hochpreisigen Wohnungen im Mobimo Tower trotz anhaltend regem Interesse als aufwändiger als geplant. Konsequenterweise haben wir deshalb unsere Landreserven für Luxuswohneigentum in Erlenbach verkauft und konzentrieren uns vorwiegend auf Neuentwicklungen im mittleren Segment.»
Dafür hat Mobimo einige Filetstücke in der Pipeline: Torfeld Süd in Aarau, Mattenhof Süd in Luzern, Flon und La Poste in Lausanne. In Zürich das Labitzke-Areal und das ehemalige Fabrikgebäude an der Badenerstrasse 595 in Altstetten. Und dann natürlich das 53'000 Quadratmeter grosse Areal der Rheinmetall Defence in Zürich Oerlikon, dass Mobimo zusammen mit der Rheinmetall und Hochtief Development in den kommenden Jahren entwickeln will.

Wichtig sei bei diesen Arealen, sagte Christoph Caviezel an der Medienkonferenz laut dem Tages-Anzeiger, dass man eine gute Durchmischung erreiche. In Zürich West, so zeigt die am Städtebau-Stammtisch vorgestellte Studie Immo Dorado des Mieterinnen- und Mieterverbandes Zürich auf, ist diese Durchmischung nicht gelungen. Auch dies räumte Caviezel ein, die Kritik der MV-Studie sei berechtigt. Jede Immobilienfirma habe in Zürich-West nur ihre Parzelle berücksichtigt und deshalb möglichst teure Objekte erstellt. Anna Schindler, Direktorin der Stadtentwicklung, hatte die Entwicklung von Zürich West gestern in einem Interview des Tages-Anzeigers noch gerechtfertigt, aber auch in Aussicht gestellt, dass sich die Stadt auf dem Rheinmetall-Areal für preisgünstiges Wohnen einsetzen wolle.

Was man längst mutmassen konnte, bestätigt nun also ein massgeblicher Akteur: Luxuswohnraum lässt sich in Zürich kaum noch verkaufen. Das Geschäftsjahr der Mobimo lässt zwar insgesamt kaum zu wünschen übrig, aber die Investitionen in Zürich West kann die Immobiliengesellschaft nicht wie erwartet einspielen. Sie will und muss darum dem übersättigten Segment den Rücken zukehren. Und ist damit der Konkurrenz um einen Entscheid voraus – die SBB setzen mit der diese Woche lancierten Versteigerungs-Idee für Wohnungen an der Europaallee noch voll auf die reiche Kundschaft und unlimierte Preise. Wie lange noch?

Kommentare

Thomas Hannibal 19.02.2013 13:00
Furchtbar, diese Leute, in ihrer irren Konsequenz des "Wirtschaftlichen". Wenns bei ihnen nicht läuft wie sie behaupteten, um die "gute Durchmischung" wegzugentrifizieren, sind sie in der Lage, ihren Kritikern Recht zu geben und werden die Stadt in ihrem Investoren-Interesse jetzt dazu bringen, für eine neue gute Durchmischung, wie sie sie verstehen, finanziell einzustehen. Als ich mal in den Kreis 5 gekommen bin, gab es eine wunderbare Durchmischung in bezahlbaren Wohnungen. Beides ist verschwunden. Und jetzt gehen die Rechnungen nicht auf? Diese Stadt wird systematisch zerstört.
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