Tram Zürich West: Unter der Hardbrücke wird die neue Tramlinie ihr eigenes Trassee haben. Fotos: Werner Huber

Kongress: Stadt und Verkehr

Der Kampf um die knappen Ressourcen Raum und Zeit - dies war das Thema des Kongresses «Stadt und Verkehr», der diese Woche in Zürich stattfand.

«Koexistenz und Kooperation im Stadtverkehr: Der Kampf um die knappen Ressourcen Raum und Zeit», dies war das Thema des Kongresses «Stadt und Verkehr», der am 16./17. März in Zürich stattgefunden hat. Die ETH Zürich (Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme) und die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) haben dafür in die Zürcher Hochschule der Künste geladen. Ein Auslöser für den Kongress ist die Tatsache, dass Tram und Bus in Zürich immer stärker unter Druck kommen, weil ihnen das (über Jahre mühsam erkämpfte) Eigentrassee mancherorts strittig gemacht wird. «Mischverkehr» heisst das Zauberwort, was für Tram und Bus und vor allem die darin sitzenden Passagiere fatale Auswirkungen haben kann: Verzögerungen lassen sich nicht mehr aufholen, der Fahrplan gerät durcheinander, Anschlüsse gehen verloren.

Experten beleuchteten das Thema: Die Verkehrshistorikerin Barbara Schmucki skizzierte die Geschichte des Stadtverkehrs nach dem Zweiten Weltkrieg, Verkehrspsychologe Markus Hackenfort schilderte, wie wir im Verkehr (und nicht nur dort) funktionieren und weshalb Konflikte entstehen. Die Sicht der Verkehrsunternehmung und des Verkehrsmanagements wurde dargelegt und die Mobilitätsstrategie der Stadt Zürich erläutert. Und am Ende des ersten Tages illustrierte eine Exkursion zum Verkehrsraum rund um den Zürcher Hauptbahnhof, wie die VBZ hier ihren dichten Verkehr bewältigen - hart an der Grenze der Leistungsfähigkeit.

Der zweite Tag war den Lösungsansätzen gewidmet. Interessant war hier der Gegensatz zwischen Wolfgang  Bodes Referat, der das Projekt Shared Spaces in der deutschen Kleinstadt Bohmte vorstellte, und der Darstellung von Bruno Weisshaupt, der aufzeigte, wie der (neu gestaltete aber schlecht funktionierende) Bahnhofplatz Frauenfeld umgebaut werden sollte: in eine streng strukturierte Anlage, in der jede Verkehrsteilnehmerin ihren fest zugewiesenen Platz hat - so dass jedem Städteplaner gleich der Atem stocken muss. Sodann ging es referatmässig nach Regensburg, wo der Bus in der Altstadt unter grossem Druck steht, und nach Stuttgart, wo das Tram zur Stadtbahn umgebaut wurde - mit (manchmal zu) konsequenter Eigentrassierung. Nach der Schlussdiskussion und dem Imbiss (Kompliment ans Catering!) ging es zu einer Exkursion auf die Baustelle des Trams Zürich West.

Das Fazit des Kongresses? Viele Fragen wurden behandelt, die Sorgen des öffentlichen Stadtverkehrs wurden dargestellt. Doch wirklich kontrovers diskutiert hat man nicht. Dies hat wohl damit zu tun, dass der Kongress eine Veranstaltung «unter Pfarrerstöchtern» war. So haben bei den Kongressteilnehmern beispielsweise Vertreterinnen und Vertreter der Stadtentwicklung oder des Amtes für Städtebau gefehlt, wie Heinz Vögeli von den VBZ in seinem Schlusswort aus der Teilnehmerliste plauderte. Und genau mit ihnen muss der Stadtverkehr seinen Kampf um den Platz im Stadtraum ausfechten. Doch leider haben diese Leute auch auf dem Podium gefehlt. Etwas weniger Verkehr und etwas mehr Stadt hätten die Veranstaltung belebt.

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