Zurück zur Natur: Die künstliche Aareschlaufe erinnert an den ursprünglichen Flusslauf vor der Flurbereinigung. Fotos: zVg, Herzog & de Meuron

Insel in Sicht

Herzog & de Meuron haben den Masterplan für die «Wasserstadt Solothurn» komplett überarbeitet. Sie schlagen eine hufeisenförmige Gartensiedlung in einer künstlichen Aareschlaufe vor.

Im Westen Solothurns soll eine Gartenstadt an der Aare entstehen. Herzog & de Meuron schlagen eine hufeisenförmige Siedlung vor, die sich entlang einer künstlichen Flussschlaufe um eine grüne Insel erstreckt. Die «Wasserstadt Solothurn» liegt rund fünfzehn Gehminuten flussaufwärts von der Altstadt. Auf dem Perimeter schlummert eine alte Mülldeponie, über die wortwörtlich Gras gewachsen ist. Die Altlasten sollen mit der Überbauung komplett saniert werden. Die kontaminierte Erde wird abgetragen und eine Wasserfläche ausgehoben. Hinter dem Projekt steht die Wasserstadtsolothurn AG, die vor zwei Jahren gegründet wurde. Sie beauftragte die Architekten, ihren ursprünglichen Masterplan aus dem Jahre 2007 komplett zu überarbeiten. Die Anzahl der Wohnungen wurde von 300 auf 600 erhöht. Das Quartier wird mit einer Ausnützungsziffer von durchschnittlich 1.0 dichter als zuvor geplant. Und die Wasserfläche ist neu auf die Strömung abgestimmt und folgt nicht mehr exakt der Altlastzone. Basis der Überarbeitung war die Befragung von rund 150 Interessenten und die Ausrichtung auf die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft.

Der Entwurf unterscheidet klar zwischen Siedlungs- und Grünfläche. Die Insel ist die grüne Lunge des Stadtteils. Sie ist nur über eine Brücke zugänglich. Im Norden der Insel bleibt die Natur weitgehend unberührt. Im Süden liegt ein Campingplatz, ein Ruderclub und ein bestehender Bauernhof. Um die Aareschlaufe legen die Architekten vier Häusergürtel. Vorgesehen sind Miet- und Eigentumswohnungen für rund neunhundert Bewohner, davon rund 20 Prozent Einfamilienhäuser. Die Einteilung gleicht einer Art sozialen Staffelung. In der ersten Reihe stehen vor allem Einfamilienhäuser. Dahinter folgen Doppel- und Reihenhäuser, in der letzten Reihe schliesslich grössere Wohnblöcke. Zum Fluss hin ist die Topografie abgetreppt und die Bauten werden niedriger. So profitieren auch die hintern Häuser von der Sicht aufs Wasser. Entlang der neuen Flussschlaufe erstreckt sich eine ein Kilometer lange Uferpromenade. Sie ist öffentlich zugänglich und bleibt autofrei. Die Siedlung erschliessen zwei Ringstrassen, eine als äussere Hauptachse mit Tempo 30 und die innere als ruhige Gartenstrasse.

Die Wassersiedlung soll keine Schlafstadt werden. Am Flussufer liegen drei öffentliche Plätze. Hier sind Restaurants, Läden oder Kinderhorte angesiedelt. Im Osten des Halbkreises ist gar ein Hotel als Auftakt vorgesehen, das mit der bestehenden Badeanstalt verzahnt werden soll. Für die Infrastruktur und die Sanierung der Altlasten rechnen die Initianten mit Kosten von 260 Millionen Franken. Zu berappen hätten diese Stadt und Kanton Solothurn, denen das Land grösstenteils gehört. Dennoch soll das Projekt der öffentlichen Hand einen «Millionengewinn» bescheren. So werden die Erträge aus Landverkauf und Steuereinnahmen laut den Entwicklern weit höher ausfallen als die Aufwände für die Entsorgung des Giftmülls vor den Stadttoren. Ivo Bracher, VR-Präsident von Wasserstadtsolothurn, kann sich vorstellen, dass die ersten Häuser in vier bis fünf Jahren bezugsbereit sind. Erste Investoren hätten bereits ihr Interesse signalisiert. Erst muss aber die Altlastfrage geklärt werden. Bis Ende Jahr wollen Stadt und Kanton die Abklärungen dazu abschliessen.

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