Die Siedlung Else-Züblin-Strasse heute: breite Wege, Rampen usn sechs- und siebengeschossige Häuser – die Grünflächen aber fliessen nicht mehr. (Foto: Heinz Unger)

In die Enge getrieben

Zürich soll dichter werden. Doch was geschieht dabei mit den Freiräumen zwischen den Gebäuden? Eine Kritik.

Einigkeit herrscht: Zürich wird nachverdichtet, und es ist gut so. Für die einen ist es Teil eines Legislaturziels, für die anderen ein Mittel, die offene Landschaft zu erhalten, und für manche ein gutes Geschäft. Genossenschaften wittern Morgenluft, denn seit den Revisionen der Bau- und Zonenordnung der vergangenen Jahre locken Arealüberbauungen mit mehr als 6000 Quadratmetern mit grösseren Ausnutzungsziffern. Betroffen sind zahlreiche Siedlungen der 1940er- und 1950er-Jahre. Diese prägen die Quartiere aus der Ära des organischen Städtebaus von Stadtbaumeister Albert Heinrich Steiner, sie stehen am Fusse des Uetlibergs, in Schwamendingen oder Seebach.Grosszügige Grünflächen fliessen durch die Zeilensiedlungen und verbinden sie über Grünzüge, in denen Freibäder und Schulen stehen, mit der offenen Landschaft. Wegen der geringen Ausnutzungsziffer scheinen die Gebäude wie in einen Park eingebettet. Wege und Mauern wurden so dezent wie möglich gesetzt, damit das landschaftliche Bild sich entfalte, die Grünflächen nicht stocken, sondern grosszügig die Gebäude umfliessen. «Die Häuser scheinen in eine gepflegte Landschaft hineingestellt», fasste deshalb der deutsche Gartenarchitekt Otto Valentien «geradezu beglückt» zusammen, nachdem er seine Kollegen 1953 in Zürichs Vororte gebracht hatte, um da ein Vorbild für den deutschen Wiederaufbau zu besichtigen. So viel Beglückung mag sich heute nicht mehr einstellen, denn inzwischen haben die eisernen Besen der Unterhaltsfirmen etliche gärtnerische Details weggefegt. Dennoch überraschen viele Siedlungen mit Weitläufigkeit — es sind Gartenlandschaften mit wertvollem Baumbestand. Sie sind Teile zusammenhängender und homogener Ortsbilder, die in diesem Umfang später nicht mehr verwirklicht werden konnten.Vom Raum zum SchlauchHeute machen solche offenen Baustrukturen den Grossteil dessen aus, was laut der räuml...
In die Enge getrieben

Zürich soll dichter werden. Doch was geschieht dabei mit den Freiräumen zwischen den Gebäuden? Eine Kritik.

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