Philip Ursprung auf Hochparterres Aprilcover 2018. Fotos: Annick Ramp

«Ich bin dafür»

Auch Philip Ursprung, Vorsteher des ETH-Architekturdepartements spricht sich für die Zersiedelungsinitiative aus. Seine Argumente und Gedanken überraschen.

 

«Die guten Architekten unterstützen die Initiative», sagt Mario Botta vorgestern im ‹Tages-Anzeiger›. Nun spricht sich auch Philip Ursprung, Vorsteher des ETH-Architekturdepartements in der Republik› für die Zersiedelungsinitiative aus. Während Botta nebst der Tristesse der Vororte und der Verbauung des Landes vor allem die Auflösung der europäischen Stadt kritisierte, spannt Ursprung im 15-Minuten-Read einen weiten Bogen, darlegend wie er mit sich ringen musste: Das Fundamentalistische am Baustopp und seine essenzialistische Ideologie machten ihm Mühe. Die Veränderung der Kleinstädte, Vororte und Bergdörfer seit den Fünfzigerjahren aber ebenso. Wald betrachten wir seit 1876 als geschützt, doch die grüne Wiese verbauen wir noch immer in hohem Tempo. Die Initiative käme kurz vor den definitiv abgenommenen Richtplänen zwar zu einer seltsamen Zeit, aber auch das Raumplanungsgesetz 1980 habe sich nicht als effektiv erwiesen, weshalb er dasselbe bei der nun umgesetzten Revision auch befürchtet.

Von hier aus driften die Gedanken ab. Sie streifen die Ökologiebewegung der Siebzigerjahre und Harald Nägelis Widerstand auf anonymen Betonwänden, das Städtebauliche Portrait des ETH-Studio Basel und seine politischen Folgen, die Unterschiede von Gestaltung und Planung, den Fetischbegriff Verdichtung und die Verpolitisierung als Dichtestress, die Strategielosigkeit der SBB als Zersiedelungstreiberin und Immobilienentwicklerin um die Bahnhöfe, warum es attraktiv wurde über einer Tramhalle zu wohnen, weshalb die funktionsgetrennten Zonen passé sind, was mit den Einfamilienhausquartieren der Agglomeration und den Genossenschaftssiedlungen der Stadt Zürich passieren könnte. Die Gedankenreise reicht von London und Lower Manhatten bis zum Bündner Bergdorf, von der Frühindustrialisierung bis in die Zukunft.

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