Die «SymbioCity» verbindet gewachsene Strukturen mit Hochhausgebieten und Grünzonen zu einer Patchworkstadt. Fotos: symbiocity.ch

Grossstadt Schweiz

Bald leben in der Schweiz 8 Millionen Menschen, künftig vielleicht sogar 10. Die «Group of Fifteen» fragte darum heute in Zürich: «Explosion der Städte oder totale Zersiedelung?»

Während heute in Davos das WEF eröffnet wurde, trafen sich in Zürich die G15. Die «Group of Fifteen», eine Gruppe Schweizer Unternehmen der Immobilienbranche, lud im Technopark zum Symposium zur «Megacity Schweiz». Der Titel fragte pointiert: «Explosion der Städte oder totale Zersiedelung?». Rainer Münz vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut zeigte eingangs, dass die Bevölkerung in der Schweiz nicht explosionsartig zunimmt, wie dies manche meinen, im Gegenteil. Seit Jahrzehnten wächst sie jedes Jahr um rund ein Prozent. Obschon sich das Wachstum künftig auf die grossen Zentren konzentrieren wird, blickte Münz düster in die Zukunft: Nicht Stadt oder Zersiedelung, sondern beides prognostizierte er, wenn in den Alpen weiter Zweitwohnungen die Hänge hoch wachsen.

Wie aus der Explosion einer Stadt eine lebenswerte Metropole werden könnte, zeigten die ETH-Studenten Alessandro Bosshard und Louis Wangler. Sie haben zusammen mit vier weiteren Studierenden einen internationalen Städtebauwettbewerb für die chinesische Stadt Chengdu gewonnen. In ihrer Vision «SymbioCity» schlagen sie ein Patchworkmuster mit drei Farben vor: Eine für Zonen, auf denen sich private Investoren austoben können, eine für die lokale Bevölkerung, die den Wandel bottom-up prägt, und eine für Grünflächen. Der Entwurf klingt vielversprechend. Ob er allerdings in die Realität umgesetzt wird, steht auf einem andern Blatt. Die Architekturstudenten haben seit der Abgabe nichts mehr von den chinesischen Behörden gehört.

Gegen die Politiker schoss denn auch Thomas Kessler, Leiter Kantons- und Stadtentwicklung in Basel, scharf und fragte: «Wollen wir den Erhalt der Grünräume zur Bundesaufgabe machen oder ihn für lokale Egoismen opfern?» Dass sich manche davor fürchten, in der verdichteten Stadt von Strassenschluchten verschluckt zu werden, kann er nicht verstehen. «Von Dichtestress kann in der Schweiz nicht die Rede sein.» Deutliche Worte fand Kessler auch zum Einfamilienhaus auf dem Land. Dieses sei im Prinzip widerrechtlich, wenn sich denn die Gemeinden an die Bundesverfassung halten würden.

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