Mark Werren, Philippe Cabane, Oliver Schmid, Regina Gontier und Christian Wiesmann (v.l.) diskutierten engagiert.

Grossaufmarsch fürs Viererfeld

Am Städtebau-Stammtisch in Bern verteidigte Stadtplaner Mark Werren die planrechtliche Setzung für das Viererfeld engagiert. Den über 250 Besuchern leuchtet sie trotzdem nicht ein.

Der Städtebau-Stammtisch von Hochparterre und dem Architekturforum Bern im Kornhaus hat sich zum Ziel gesetzt, für die anstehende Beplanung des Viererfeldes aus den Fehlern von Brünnen zu lernen. Die Architektin Regine Gonthier zeigte in ihrem Eingangsstatement klar auf die Schwachstellen des neuen Stadtquartiers hin: Zu wenig Identität, zu wenig Bezug zum Quartier, zu wenig Dichte und ein fehlender städtebaulicher Wettbewerb. Christian Wiesmann, ehemaliger Stadtplaner von Bern und mitverantwortlich für die Planung, verteidigte seine Arbeit: Die städtebauliche Anlage sei gut, die öffentlichen Räume auch. Vielleicht gäbe es tatsächlich zu viele davon, so Wiesmann doch ein wenig selbstkritisch.

Was nun daraus fürs «Generationenprojekt» Viererfeld, das rund 16 Hektar grosse Grundstücks zwischen den Quartieren Länggasse und Felsenau, lernen, fragte Moderatorin Rahel Marti von Hochparterre nach. Gelobt wurde einhellig die angestrebte hohe Dichte. Und dass es vor den Architekturwettbewerben einen städtebaulichen Wettbewerb brauche, dass der Nutzungsmix vielfältiger sein und besser als in Brünnen gesichert werden soll und dass auch Kleinteiligkeit in den Einheiten aber auch in den Investoren (also nicht nur pensionskassenfreundliche 50-Wohnunge-Blöcke) möglich sein sollen, darüber waren sich die Podiumsteilnehmer und auch Stadtplaner Mark Werren einig. Niemand konnte allerdings die Zweiteilung des Grundstücks verstehen. Sie sei Resultat des politischen und ökonomischen Verkaufsprozesses, den die Stadt mit dem Kanton führte, so Werren. Diesen erklärte er denn auch detailliert und geduldig. Das Unverständnis auf dem Podium war trotzdem gross und stellvertretend für die Meinung im Saal: Wenn nur die Hälfte zur Verfügung steht, solle man trotzdem – ja umso mehr – über das Ganze nachdenken, so der Architekt Oliver Schmid, der im Namen des BSA Bern eine kritische Eingabe zum Planungsprozess machte.

Philippe Cabane, Stadtplanungsspezialist ohne Berner «Stallgeruch», störte sich zwar auch an der Linie, forderte die Verantwortlichen aber vielmehr auf, sich vor dem Städtebau über die Art der Stadt Gedanken zu machen. Der gemischte Stadtteil, der derzeit so in Mode sei, mache überhaupt nicht zwingend an jedem Ort Sinn, so Cabane. Die innere Quartieraufteilung eines reinen Wohnquartiers sei ebenso wichtig, dafür solle sich die Stadt Zeit nehmen und den geplanten Wohnanteil von 90 Prozent bitte genauer spezifizieren. Wichtig sei auch, dass die räumlichen Vorgaben so formuliert seien, dass spätere, eventuell andere Nutzungen möglich sind, so Cabane. Mark Werren hatte an diesem Abend zwar einen schweren Stand, doch er verteidigte die Arbeit des Stadtplanungsamtes souverän und auch glaubwürdig. Er verkroch sich nicht ins behördliche Schneckenhaus, versteckte sich nicht hinter der Politik, sondern zeigte sich offen für weitere Diskussionen und Veränderungsvorschläge. Auch wenn an der Linie nicht mehr gerüttelt werden könne, wie Werren klar machte.

Viel Zeit bleibt dafür allerdings nicht, im Frühling 2015 wird Bern über die Einzonung des Viererfelds und über dessen Kauf abstimmen. Bis dahin sollte die Vorplanung doch etwas spezifischer werden, so der an den vielen und engagierten informellen Diskussionen der Besucher nach der Veranstaltung mehrfach geäusserte Wunsch.

Hochparterre dankt Velux für die freundliche Unterstützung des Städtebau-Stammtisch.
 

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